Lockdown – Hausarrest

Mein Leben in der Ausgangssperre

Seit vierzig Tagen habe ich Hausarrest, so wie früher, wenn ich eine schlechte Mathe-Note nach Hause brachte, da gab es auch Hausarrest, und ich durfte erst wieder nach draußen, wenn ich alle Aufgaben gelöst hatte. 

Nun, dieses Mal muss ich keine Aufgaben lösen, das tun andere für mich.

Zuerst wollte ich euch auch etwas über Corona schreiben, aber dann dachte ich, wahrscheinlich ätzt es euch an, so wie mich. Corona, Corona, vom frühen Morgen bis in den späten Abend. Am Anfang hatte ich auch noch jede Information in mich hineingesaugt. Habe mich stundenlang im Netz herumgetrieben, um ja nichts zu verpassen. Doch je länger je mehr habe ich gemerkt, wie das alles mich heruntergezogen hat. Ich habe aufgehört mit dem täglichen “im Netz herumtreibenSeit vierzig Tagen habe ich Hausarrest, so wie früher, wenn ich eine schlechte Mathe-Note mit nach Hause brachte, da gab es auch Hausarrest.

Doch wenn alles gut läuft, die Fallraten heruntergehen und Monsieur Marcron es will, dann wird am 11. Mai der Hausarrest aufgehoben und ich darf wieder hinaus. Nein, wahrscheinlich noch nicht in die weite Welt, aber ohne vorher ein Formular auszufüllen in dem ich angeben muss, wohin ich gehe. Das ist Vorschrift seit dem Beginn der Ausgangssperre. Erlaubt ist: zum nächsten Supermarkt (irgendwann sind auch der prall gefüllte Vorratsschrank und die Tiefkühltruhe leer), zum Arzt oder in die Apotheke zu fahren.

Nur einmal habe ich vergessen, dieses Formular auszufüllen. Zum Glück bin ich nicht in eine Polizeikontrolle geraten, das hätte mich nämlich einige Euros gekostet.

Was macht eine Autorin wenn sie Hausarrest hat?

Schreiben natürlich und lesen. Ich habe noch nie so intensiv geschrieben und so viel gelesen, wie in den letzten vierzig Tagen.

Vor allem Schreiben. Eine neue Story ist entstanden. Ich setzte mich jeden Tag einige Stunden an den Computer. Das habe ich vor dem Hausarrest nie so konsequent gemacht.

Sarah heisst meine Heldin. Sie ist eine sehr selbständige Frau, die weiß was sie will, manchmal jedenfalls. Der rote Faden ist da, auch der Schluss sehe ich sehr genau vor mir, aber anders als bei meinen anderen Geschichten, lasse ich es dieses Mal laufen. Es ist spannend zu schauen, wohin sie mich führt.

Und das Setting ist dieses Mal Basel, meine Heimatstadt. Die Stadt am Rheinknie. Die Stadt, die an Frankreich und Deutschland angrenzt. Weshalb ich Basel gewählt habe, hat keinen besonderen Grund, oder vielleicht doch?

Jedenfalls erlebe ich aus der Ferne, wenn ich gewisse Szenen schreibe, diese Stadt ganz anders. Eben aus der Ferne, und da hat man meistens einen anderen Focus.

Wie wird es sein, wenn ich mich wieder frei bewegen darf?

Ganz sicher wird es so ausschauen. Maske wird Pflicht sein. Die Brille nicht, die habe ich nur aufgesetzt, weil ich im Moment unter starkem Heuschnupfen leide.

Auch sonst wird es im “Umarmungsfreudigen” Frankreich anders sein. Die Küsschen links und rechts werden verschwinden, für eine gewisse Zeit jedenfalls. Die langen Schwätzchen im Supermarkt werden auch nicht mehr so intensiv geführt werden, das zeichnet sich schon jetzt ab. Und eine weitere Frage: was wird aus den Familienfesten, wo am Sonntag manchmal bis zu zwanzig Personen zusammenkommen?

Der Sommer wird anders sein, das ist eins was sicher ist. Die Touristen werden die Dordogne nicht mehr übervölkern. Die Blumenfeste, die Marché Nocturne (Nachtmarkt) und noch so einiges wird fehlen.

Passt auf euch auf und bleibt gesund

Fehler in der letzten Veröffentlichung? Ein Abschnitt wurde nicht mitgeliefert. Ich hoffe, dass es jetzt klappt.