Geschichten die auf der Straße liegen …

… und die erzählt werden wollen.

Ich wohne nun schon seit einigen Jahren in der Dordogne, im Südwesten von Frankreich. Und ich liebe dieses Land und mein Dorf. Ich bin angekommen.

Zwar bin ich immer noch ‘die Ausländerin’und das werde ich auch bleiben, aber wenn ich im Dorf mein Baguette hole, im ‘Tabac’ die Zeitung, oder im Tante Emma-Laden meinen Käse, dann werde ich mit einem Küsschen und einem lockeren Spruch begrüsst und einige bedauern es, dass meine Bücher nicht in französischer Sprache verlegt werden.

Ich liebe das ‘laisser faire’, die Leichtigkeit, die in diesem Wort liegt, und nerve mich nicht mehr über das Schwätzchen an der Kasse im Supermarkt, das die Schlange der Wartenden aufhält, die Langsamkeit hat auch mich erreicht.

Auch die Logistik hat hier einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland oder in der Schweiz. Aber vielleicht bin ich schon zu sehr Französin, als dass mich fehlende Produkte im Supermarkt oder im Baumarkt aus der Bahn werfen. C’est la campagne, sagt meine Nachbarin dann mit einem Achselzucken.

Mittlerweile beherrsche ich die Sprache recht gut, doch ich werde sie nie, solange ich lebe, mit all den Feinheiten beherrschen. In diese Sprache wird man hineingeboren.

Mein neuer Roman spielt in meinem Dorf, allerdings in einer früheren Zeit. Aber die Dorfmitbewohner haben meine Figuren schon beeinflusst.

Der Apotheker. Der Fleischer. Seine Frau, die Neugierige. Der Baron vom Nachbardorf und der Dorfdoktor. Nicht zuletzt aber auch die wunderschöne Landschaft, die sich sanft wölbend um mein Dorf schmiegt. Die Weinberge, die immer wieder durch kleine Waldstücke unterbrochen werden. Das Tal, durch das sich die Isle, ein kleiner Fluss schlängelt. Das alles hat mich  inspiriert.

Die ‘Geschichten liegen auf der Straße’ man muss sie nur sehen und sie erzählen.

Leseprobe aus meinem noch nicht veröffentlichten Roman.

Im Wartezimmer sassen bereits zehn Personen und zehn Augenpaare schauten mich verwundert an. Ich murmelte ein kaum hörbares ›guten Morgen‹ und setzte mich auf einen der klapperigen Gartenstühle. Die Frau des Fleischers war die einzige, die ich kannte. Sie nickte mir zu und widmete sich dann wieder ihrer Strickarbeit. Die Stricknadeln klapperten und sie brabbelte dabei ›links-rechts-links-rechts‹ vor sich hin. Es musste ein Pullover für ihren Mann werden, die Strickarbeit hatte ein nicht unerhebliches Ausmaß. Die übrigen Wartenden schienen aus dem Nachbardorf zu kommen oder es gab in den letzten Jahren, als ich in Toulouse war etliche Neuzuzüger im Dorf. Ich kannte keinen davon.

Ich nahm mein Buch aus der Tasche und fing an zu lesen, denn bei den vielen Leuten richtete ich mich auf eine längere Wartezeit ein.

“Sind Sie krank, Fräulein Amélie?” Die Frau des Fleischers hatte ihr Strickzeug auf den Schoss gelegt und sah mich neugierig an.

Ich schüttelte den Kopf. “Nein, nein, ich möchte nur etwas mit dem Doktor besprechen.”

“Aha, kann dauern, der Doktor ist nicht hier. Er musste nochmals weg zu einem Notfall, hat er gesagt.”

“Macht nichts, ich habe Zeit.”

Was lesen Sie denn da?” Neugierig äugte sie in das Buch. “Etwas Gescheites?”

Ich schmunzelte. “Einen Roman über eine Ärztin in Afrika.”

“Also etwas Gescheites. Ja, ja, die Welt hat sich verändert. Heute lesen die Frauen gescheite Bücher. Früher hatten sie keine Zeit, früher mussten sie hart arbeiten.”

“Ärztinnen arbeiten auch hart”, entgegnete ich, “ganz besonders wenn sie in Afrika leben.”

“Hm”, brummelte sie und betrachtete ihr Strickwerk. “Für meinen Mann zum Geburtstag. Er ist ein Guter, hat mich noch nie geschlagen.”

Ich sah den Fleischer vor mir. Ein bulliger Mann mit Händen wie kleine Baggerschaufeln und einem aufgedunsenen Gesicht. “Das ist schön. Wie geht es ihrem Mann?”

“Gut, danke der Nachfrage.” Sie schaute mich lange an. “Sie sind doch jetzt eine Frau Doktor? Im Dorf reden alle über Sie.”

Ich nickte, “ja, das bin ich.” Und eine ohne Arbeit, fuhr es durch meinen Kopf.

“Ich werde dann mal weiter stricken, sonst wird der Pullover nicht fertig. Sein Geburtstag ist schon in drei Wochen”, und sie ließ die Nadeln durch die Maschen fliegen.

©Verena Dahms

 

Tredition

 

Die Möglichkeit, dass Träume wahr werden können ..

… machen das Leben erst interessant.

Die Zeit der Rückblicke ist angebrochen. Es wird über Vergangenes sinniert. War es ein gutes Jahr gewesen?  Auch ich habe heute morgen kurz darüber nachgedacht und mir überlegt, ob ich einen Rückblick über mein vergangenes Jahr schreiben soll, habe den Gedanken dann aber schnell wieder verworfen. Es ist ja alles auf meinem Blog nachzulesen. Ich schreibe lieber einen Ausblick.

Etwas was ich jetzt bereits weiß: Im nächsten Jahr wird es einen neuen Roman von mir geben. Das Manuskript ist fertig. Vier Wochen muss ich nun warten, bis ich überarbeiten darf, so der Befehl von meiner Lektorin. Und weil ich gehorsam bin, habe ich das Manuskript meinem Erstleser gegeben. Er liest und liest und liest und schweigt. Manchmal umrunde ich ihn wie eine hungrige Katze.  Wie kommt meine Geschichte an? Stimmt die Dramaturgie? Gibt es Plotlöcher. Haben die Figuren die notwendige Tiefe? Bald werde ich es wissen. Dann nämlich, wenn er das Manuskript fertig gelesen hat.

Etwas kann ich jetzt schon verraten, es ist ein Liebesroman der in meinem Dorf spielt. Allerdings zu einer anderen Zeit.

Weiter ist eine neue Geschichte geplant. Eine Geschichte die schon lange in meinem Kopf herumspukt. Bis jetzt habe ich sie zurückgedrängt, denn ich kann nicht an zwei Projekten gleichzeitig arbeiten. Doch nun ist die Zeit dazu gekommen. Die Kladde ist bereit und wird mit Gedankensplittern und Figuren gefüllt. Ein Baum in Berlin hat mich dazu inspiriert. Ich freue mich darauf, denn es werden ganz sicher einige Recherchen vor Ort dazu notwendig sein. Das heißt, ich werde mich öfters in Berlin rumtreiben.

Was wird noch kommen? Ein Besuch am Atlantik. Paris steht auch schon auf dem Plan. Die Buchmesse in Leipzig, Frankfurt und Berlin. Vielleicht nicht alle drei, die BuchBerlin aber ganz sicher.

Pläne, Pläne, Pläne. Ja, warum nicht. Pläne machen neugierig, treiben an. Wenn nicht alle umgesetzt werden können, ‘so what’. Das Jahr 2018 verspricht spannend zu werden.

Die Möglichkeit, dass Träume wahr werden können, macht das Leben erst interessant (Paul Coelho)

Bildquelle: Madelene Hambrick

 

 

 

 

Lovelybooks – die große Unbekannte

Für mich war die Leseplattform bis vor kurzem noch ‘die große Unbekannte’. Natürlich habe ich schon öfters davon gehört oder gelesen. Trotzdem!

“Du solltest dein Roman bei Lovelybooks für eine Leserund anmelden”, so meine Lektorin. “Dort wirst du viele Leser finden, kannst mit ihnen zusammen über dein Buch diskutieren.”

Das leuchtete mir ein.  Besonders da ich in Frankreich mit meinen deutschen Büchern keine Lesungen machen kann.

Die erste Bekanntschaft mit dieser Plattform hat mich erst einmal erschlagen. Bücher über Bücher. Ich klickte mich durch, las die Kommentare, klickte weiter und las wieder. Ich glaube gefühlte vier Stunden habe ich mit Klicken und Lesen verbracht. Mein Profil war danach recht schnell angelegt.

Nun hieß es Leute einladen, und zwar so, dass sie neugierig auf mein Buch wurden. Dank meiner Lektorin, die mir mit Rat und Tat zur Seite stand, war auch diese Hürde nicht allzu hoch. Und dann war Warten angesagt. Werde ich Leser finden, oder in meinem Fall Leserinnen? Wieviele? Lovelybooks war zehn Tage – so lange dauert in der Regel die Anmeldefrist – wie ein Adventskalender. Jeden Abend öffnete ich ein Türchen, neugierig auf das was mich erwartete.

Ich hatte Glück. Auch als Nobody im Fischteich der Bücher, fanden sich  einige Interessenten, die mein Buch lesen und diskutieren wollten. Die Kommentare und Fragen der Leserinnen waren sehr hilfreich, als Belohnung  gab es ehrliche Rezensionen.

Fazit: Obwohl der Ansturm der Interessenten nicht so groß war und sich drei Leser kurzfristig abgemeldet haben, nachdem sie kein Printbuch gewannen, werde ich auch mit meinen nächsten Roman wieder eine Leserunde durchführen. Und ich werde ganz sicher auch selber einmal als Leserin daran teilnehmen.

Ich wünsche Euch und Euren Familien ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein erfolgreiches Jahr 2018

 

BuchBerlin – die etwas andere Messe

Ich war an der BuchBerlin. Es war ein spontaner Entschluss. Eine Autoren-Kollegin hat in einem Post auf Facebook gefragt, wer denn auch an diese Messe geht. Ich, habe ich gedacht und kurz die Flugmöglichkeiten von Bordeaux nach Berlin gecheckt. Ich war dabei.
Und ich habe es nicht bereut. Eine Messe der ganz besonderen Art. Klein aber fein, mit viel Kontaktmöglichkeit zum Leser.

Das Hotel Estrel, eine Stadt in der Stadt. Mein Zimmer war perfekter Standard, mit einem fröhlichen Willkommensgruß auf dem Bildschirm.

Am anderen Morgen stürzte ich mich dann in das Buch-Ausstellungs-Getümmel. Dreihundert Aussteller, so informierte mich der Katalog, sollen in diesem Jahr teilnehmen. Also gar nicht so einfach, die von mir gesuchten Autorenfreunde zu finden. Doch ich habe sie alle gefunden. Die Hilde, die Steffi, die Jacky, die Valerie, die Tuula, die Marion, der Frank und der Michael (ja, ich kenne auch männliche Autorenkollegen), und noch einige mehr. Ein paar kannte ich bereits von der Frankfurter Buchmesse. Ausrufe “schön dich wieder zu sehen” oder “ich hab dich gleich erkannt” wechselten ab.

Nach den Begrüßungszeremonien ging es auf die Rundtour durch der Messehalle. Bunte Stände, liebevoll und sehr fantasievoll dekoriert, gab es zu bewundern. Von überall wurden mir die allseits beliebten “Goodies” entgegengestreckt. Die Ausbeute war groß, für die kommenden Jahre bin ich mit Lesezeichen aller Art eingedeckt.

Am Abend ging es weiter. Für das Abendessen wurde eines der Bistros im Hotel in Beschlag genommen. Geschnatter und Gelächter wechselten ab. Aber auch ernsthafte Gespräche über die aktuelle Buchszene, die Marketingmöglichkeiten für Selfpublisher, fanden statt.

Am nächsten Tag bekam ich die Möglichkeit, am Stand der götterkinder.de die Postkarten für mein Buch ‘Eine Frau kämpft für ihren Traum‘ auszulegen.

Der direkte Kontakt mit potentiellen Leserinnen war super. Jedenfalls mein Kartenstapel war im Nu verteilt.

Zwei Tage BuchBerlin, zwei Tage voller Eindrücke, zwei Tage die ich nicht missen möchte.

Eines weiß ich, ich bin auch im nächsten Jahr wieder dabei, nicht als Besucherin, sondern ich werde mich in die Reihe der Aussteller begeben.

Die Nadel im deutschen ‘Bücherheuhaufen’

Anfangs November werde ich eine Leserunde auf Lovelybooks für meinen neuen Roman ‘Eine Frau kämpft für ihren Traum’ durchführen. Ich habe  schon etwas Bammel – werden sich genügend Leute anmelden – aber freue ich mich auch, mein Buch zusammen mit Leserinnen und Leser zu diskutieren.

Ich habe schon einiges über diese Leseplattform gehört, Gutes und weniger Gutes. Doch ich bilde mir gerne selber ein Urteil und bin gespannt, wie es ablaufen wird. Natürlich berichte ich euch darüber.

Mit einer Veröffentlichung ist es nämlich nicht getan. Ich habe gelesen, dass pro Jahr zwischen 80 000 und 90 000 neue Bücher auf den Markt geworfen werden.

Also ist Kreativität gefragt, damit ein Buch im großen ‘Bücherheuhaufen’ der Neuerscheinungen gefunden wird.

Auch Blogtouren sollen helfen, dass ein Buch gefunden wirdIch habe schon einiges darüber gelesen, selber habe ich noch nie eine durchgeführt.

Wie dem auch sei, das eigene Buch zu vermarkten ist nicht einfach.  Es bedeutet täglich in den Social Medien präsent zu sein.  Muss ich das? Will ich das? Ja, wahrscheinlich muss ich das. Macht es mir Spaß? Diese Frage habe ich mir schon öfters gestellt und ich muss, wenn ich ganz ehrlich bin, sagen: Manchmal, aber nicht immer. Ich bin also kein Werbefuzzi. Blödes Wort, ich weiß. Ich bin mir aber auch bewusst, wenn meine Geschichten gelesen werden sollen, dann kann ich mich diesen Medien nicht entziehen.

Keine Angst, ich werde euch auch in Zukunft nicht mit Werbung zu müllen, doch ab und zu bekommt ihr ein Textschnipsel von meinem neuen Roman zu lesen. Ich bin im letzten Drittel, es dauert also nicht mehr lange, bis ich das Wort ENDE schreiben kann.

Dann ist mein Erstleser gefragt. Bis jetzt hat er noch nicht viel davon gelesen. Ich bin gespannt auf seine Kommentare.

 

 

Michel de Montagne hatte Eine …

 

Johann Wolfgang von Goethe auch. Charles-Pierre Baudelaire, Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach, Guy Maupassant, Oscar Wilde, Christian Morgenstern, Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Katherine Mansfield, Patricia Highsmith und noch einige Andere, hatten auch eine Katze.

Auch ich reihe mich unter die Katzenbesitzer ein. Katze und Autor gehören  zusammen. Weshalb? Vielleicht weil die Fellnasen Tröster sind, wenn wir mal wieder an uns zweifeln. Sie sitzen auf unseren Knien während wir unsere Texte schreiben. Ihr Schnurren beruhigt unsere gestressten Nerven, wenn wir am Überarbeiten sind und sie treiben uns in den nächsten Laden, wenn das Futter zur Neige geht. So kommen wir wenigsten ab und zu unter Leute und an die frische Luft.

Meine Katze hat mich gefunden und beschlossen, dass genau ich diejenige bin, bei der sie ihr weiteres Leben verbringen will.

Es war ein schöner Sommertag. Die großen Ferien waren angebrochen. Wohin mit dem Tier, fragen sich viele Besitzer. Katzen sind auf dem Land nicht viel wert. Aussetzen ist dann meistens die Lösung, obwohl das für mich keine ist.

Und so kam ich in den Besitz von meiner Isabelle.

Etwa drei Monate schätzte ich war sie, als sie mit erhobenem Schwanz in meine Küche tappte. Frech schaute sie zu mir hoch, so als wollte sie sagen: “Du, ich habe Hunger und Durst.” Ich stellte ihr eine Schale mit Milch und eingeweichten Brotbrocken hin. Gierig machte sie sich über den Fressnapf her. Als sie ihn leergeputzt hatte, sprang sie auf einen Stuhl, rollte sich zusammen, schnurrte entspannt, so als ob sie schon immer zu mir gehörte hätte.

Isabelle ist sehr eigensinnig. Schmusen nur wenn sie will. Auf den Arm nehmen, geht gar nicht.

In den ersten Jahren war sie eine richtige Streunerin. Manchmal war sie tagelang weg. Was habe ich mir für Sorgen gemacht, aber sie kam immer wieder, hungrig und zerzaust. Trotz Kastration wurde sie zweimal pro Jahr rollig. Während dieser Zeit strichen unzählige Kater von der näheren und weiteren Umgebung um mein Haus. Die Duftmarken hatten es in sich.

Heute ist meine Bella ruhiger geworden. Eigensinnig ist sie immer noch. Wir passen gut zusammen.

 

 

Am Anfang war ein Weingut

 

Ich habe euch versprochen, etwas über meinen neuen Roman, an dem ich arbeite zu erzählen.

Dieses Mal sind es keine Personen die mich inspiriert haben, dieses Mal ist es ein Weingut. Ein Weingut, das nicht weit von mir, einsam, oberhalb von meinem Dorf ein, ein jämmerliches Leben führt. Verlottert, mit blinden Fenstern, sofern diese blinden Scheiben noch Fenster genannt werden können. Das Gras kniehoch, die Dachschindeln durch den Regen aufgeweicht, die Holztüren schief mit angefressenem Holz. Nur die geschwungene Eingangstreppe, die auf die Terrasse führt, lässt noch etwas von der früheren Pracht erkennen.

Die Terrasse gibt einen fantastischen Blick durch hohe Pappeln aufs Tal frei. Sanft geschwungen liegt es dem Weingut zu Füßen. Es gibt Weinberge, die links und rechts des Gutes auch heute noch bearbeitet werden. Die Trauben, ja, ich habe genascht, sind prall und zuckersüß.

Ich setze mich auf die Treppenstufe, blicke ins Tal und mit meinen Gedanken fülle ich das Gut mit Leben. Der Schlossherr, seine Frau, eine Adelige aus Paris, drei Kinder – nein eher Jugendliche. Die Köchin, die Leib und Seele der Familie mit ihren köstlichen Gerichten zusammenhält. Ein Gutsverwalter muss auch noch her. Dann Leute aus dem Dorf. Die Waschweiber die die Wäsche zum Bleichen auf der Wiese ausbreiten. Die Erntehelfer, unten in Siedlungshäusern an der Isle wohnen. Der Doktor, der Pfarrer und der dicke Apotheker vom Nachbardorf. Ein buntes Kaleidoskop.

Der Plot und die Figurenbiografien stehen. Wobei bei Letzterem ich immer noch einiges offen lasse. Die Figuren entwickeln sich auch mit meiner Arbeit am Manuskript. Ich lasse ihnen einiges an Freiheit. Nur wenn sie Unmögliches von mir verlangen, dann pfeife ich sie zurück.

Aktueller Stand: 39 950 Wörter und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

 

 

Autorenleben

Autoren und natürlich auch Autorinnen führen ein ‘easy’ Leben, so heisst es allgemein. Nachdem bis in die frühen Morgenstunden fleissig in die Tastatur gehauen wurde, beginnt der Tag für sie, wenn die normal arbeitende Bevölkerung bereits zum Mittagessen schreitet.

Dann wird erst einmal ausgiebig Kaffee getrunken und die Tageszeitung nach neuen möglichen Themen für den nächsten Bestseller durchforstet. Danach geht es, wenn das Wetter es zulässt, ins nächste Café. Weil draußen sitzen, vorzugsweise unter schattenspendenden Lindenbäumen, da bekommt die Kreativität einen ganz anderen Stellenwert. Die Gedanken fliessen, ebenso der Stift, der gefühlvolle Worte in die Kladde kritzelt.

Mein Autorenleben schaut etwas anders aus. Erstens schreibe ich nicht bis in die frühen Morgenstunden und zweitens brauche ich keine Lindenbäume für meine Kreativität. Doch ich habe auch meine Rituale und die pflege ich. Zum Beispiel brauche ich zum Einstieg Musik. Je nach Szene Bach, Beethoven oder Mozart, aber auch Kuschel- oder Hardrock ist nicht selten dabei.

Wenn mein Kopf voller Musik ist, dann erst fahre ich den Computer hoch und lasse meine Finger über die Tastatur fliegen.

Meine Schreibphasen sind entweder am frühen Morgen oder am späten Nachmittag. Wenn es gut läuft, dann können es gut und gerne sechs bis sieben Stunden sein. Wenn nicht, dann quäle ich mich nicht vor dem flimmernden Bildschirm, dann ist das eben so.

Doch es gibt auch Zeiten, da schreibe ich nicht. Kein Wort. Dann lümmle ich auf der Couch, fahre in die Stadt und treffe mich mit Freundinnen zum Tratschen. Oder ich schnipple Gemüse für das Mittagessen, werkle im Garten oder male.

Solches passiert meistens dann, wenn etwas in meiner Geschichte nicht stimmt, nicht vorwärts geht, stolpert.

Im Moment bin ich in der Lümmel-Phase, aber ganz langsam löst sich der Knoten in meinem Kopf.

‘Salon du Livre’ in Paris oder Buchmesse in Leipzig?

Das war die Frage, die ich recht schnell beantworten konnte.

Zwei Gründe haben mich dazu bewogen: Erstens ist Leipzig von meinem Wohnort fast nicht erreichbar, und zweitens habe ich von der Frankfurter Buchmesse, die in Paris vertreten ist, eine Einladung zu einem ‘Dejeuner’ erhalten. Weshalb, das weiß ich nicht, aber ich muss ja nicht immer alles hinterfragen.

Also, Bahnkarte gekauft und Hotel gebucht.

Punkt zehn Uhr öffneten sich die Tore, und eine unglaubliche Menschenmasse strömte in die Messehallen. Nein, klein ist dieser ‘Salon’ absolut nicht.

Wie in Frankfurt, werde ich von einer Unmenge von Büchern empfangen. Gleich am Eingang präsentiert sich ein Verlag mit Kunstbänden. Louvre, Museé d’Orsay, Picasso, Monet, Manet, Van Gogh, nur um einige zu nennen. Paris, ist nicht nur die Stadt der Liebe, sondern auch die Stadt der Künste.

Dann folgte ein Stand mit Reisebüchern, moderner französischer Literatur, Kinderbücher, Kochbücher, Gartenbücher,  und noch Vieles mehr.

Auch Amazon.fr mit seinem Kindle, und seinem Create Space Angebot war vor Ort.

Was ich nicht gesehen habe, waren die Podiumsdiskussionen zwischen Autoren, Verlagen, Lektoren und Lesern. Einzig Amazon präsentierte sein Programm einer kleinen interessierten Gruppe, der Titel war: ‘Schreiben und gelesen werden’.

Was man aber konnte, bei allen Ausstellern, Bücher kaufen. Es war also eine große Verkaufsmesse.

Nur gut, dass ich nicht so viele französische Bücher lese, sonst …

Am Frankfurter-Ausstellungsstand, wo wirklich ein ‘Frühstück’ serviert wurde, und man sich auch mit Büchern eindecken konnte (was ich getan habe), wurde mir erklärt, dass es erst das zweite Jahr ist, in dem sie sich in Paris präsentieren, und im Hinblick auf die Jugendbuchmesse in Bologna Kontakte zu französischen Jugendbuchautoren und Verlagen aufbauen wollen.

Wer weiß, vielleicht bekommt meine Kindergeschichte, die schon lange in meinem Computer schlummert, endlich eine Chance, das ‘Licht der Welt’ zu erblicken.

Ach ja, was ich nicht unerwähnt lassen möchte, und was mir sehr gefallen hat, es tummelten sich ganz, ganz viele Schulklassen mit ihren Lehrern in den Hallen. Die Kinder durften die Bücher anfassen  darin blättern, und für einmal hatten die Kids nicht ihr Handy,  sondern Bücher in der Hand.

Ich denke, dass ich diese Messe nicht das letzte Mal besucht habe.