Der erste Entwurf ist immer Mist

Noch ein paar Tage, dann ist der erste Monat in diesem Jahr vorbei. Zum Glück. Für mich ist der Januar ein Monat, auf den ich gut verzichten könnte. Es dauert, bis das Tageslicht anbricht (in der Dordogne nicht vor acht Uhr) und es wird um sechs Uhr schon wieder Nacht.

Ich hatte trotzdem keine Langeweile. In meinem letzten Blog habe ich euch  erzählt, dass ich auf Geheiss von meiner Lektorin mein Manuskript vier lange Wochen liegen lassen muss. Und folgsam wie ich bin, habe ich mich daran gehalten.

Nach den Feiertagen durfte ich  endlich loslegen und wieder in meine Geschichte eintauchen. Wohingegen ‘Eintauchen’ nicht ganz richtig ist. ‘Lies deine erste Version als Leserin und nicht als Autorin’, so eine Aussage in einem der gescheiten Schreibratgebern. Oder ‘Kill your Darlings’. Oh ja, ich habe gekilled, ich fühlte mich manchmal wie eine Mörderin. ‘Auf Logikfehler achten’, ‘starke Verben benutzen’ ‘zu viele Adjektive stören den Lesefluss’. Das sind nur einige von vielen Ratschlägen, auf die der/die Autorin achten muss. Die will ich euch ersparen, es reicht wenn ich sie wissen muss.

Ich habe also meinen Text gekürzt, ergänzt, Sätze umgestellt, Dialoge spannender geschrieben, Liebesszenen umgeschrieben. Ja, es gibt welche, sonst wäre es kein Liebesroman.

Ich mag meine Protagonistin. Sie ist gescheit, macht zwar ein paar Fehler und fällt einmal ganz heftig auf die Nase. Aber im Großen und Ganzen ist sie eine patente Frau. Und dann ihr Beau, ein Charmeur und  Wandervogel, so wie Charmeure halt sind. Keine Angst, es ist kein Millionärs-Roman.  Es gibt auch noch ein paar Nebenfiguren, die ich richtig gerne mag. Zum Beispiel die Freundin von meiner Protagonistin, oder die Köchin, auch der Paul, stämmig, ruhig und besonnen.

Seid ihr neugierig geworden?  Ihr müsst euch noch etwas gedulden. Zwei weitere Überarbeitungsrunden stehen an, bevor das Manuskript an meine Lektorin geht. Danach kommt meine Cover-Designerin zum Zug, und ab dann ist die Veröffentlichung absehbar.

Ich bin selber auch ganz ‘hibbelig’, aber wie heißt es doch: Gut Ding will Weile haben.

Zum Schluss würde mich es mich interessieren: Wer von euch mag Liebesromane? Schreibt mir doch einfach.

Geschichten die das Leben schreibt – Geschichten die erzählt werden müssen

 

Ich werde oft gefragt, wo ich denn meine Ideen für meinen Geschichten hernehme.

Nun, ganz einfach aus dem Leben. Wenn ich zum Beispiel mit dem Zug nach Bordeaux fahre, dann beobachte ich die Fahrgäste. Viele lesen, andere plaudern, einige haben intensiven Kontakt mit ihrem Handy und wieder andere starren aus dem Fenster.

Oder ich sitze in einem Bistro. Ein älteres Ehepaar, das sich nichts mehr zu sagen hat und schweigend ihren Kaffee schlürft. Eine Gruppe junger Studenten, lachend, schwatzend, fröhlich. Der Kellner, der sich mit seinem Servierbrett durch die enge Bestuhlung balanciert oder die junge Mutter die das quengelnde Kind zu beruhigen versucht.

All das speichere ich in meinem Kopf. Zu Hause setze ich mich dann hin und schreibe das Gesehene  in mein Notizbuch. Manchmal wird es eine Kurzgeschichte, (die ich aber nie veröffentliche), manchmal sind es auch nur einige kleine Szenen.

Auch eine Zeitungsmeldung kann mein Kopfkino ankurbeln.

Bis aus diesen Fragmenten die Grundlage für einen Roman gelegt ist, dauert es.

Zuerst entwickle ich die Figuren die in meinem Roman eine Rolle spielen. Wie sehen sie aus, was haben sie für Macken, Wünsche, Sehnsüchte. Wo sind sie aufgewachsen. Wer passt zu meiner Protagonistin. Dieses rothaarige Mädchen, das ich kürzlich in der Bahnhofshalle beobachten konnte? Der kleine dicke Herr, mit dem schütteren Haar? Er war so ungeduldig, als ihm der Kellner nicht gleich den Kaffee serviert hat. Den könnte ich doch als Nebenfigur in meine Geschichte einbauen.

Auf diese Weise baue ich, wie ein Architekt, Stein auf Stein zusammen. Dann muss ich mir auch noch den Ort, oder die Orte aussuchen, in dem meine Geschichte spielen soll.

Meistens nehme ich Orte, die ich bereits kenne. Manchmal hilft mir auch Papa Google.

Wenn ich das alles zusammen habe, dann geht es ans Plotten. Ist nicht unbedingt mein Ding, aber notwendig. Den Ablauf der Geschichte, der rote Faden, der Anfang und das Ende, das muss sein. Ich mache das nicht stur, sondern sehr, sehr locker. Weiß ich denn, was alles noch passieren wird, während ich schreibe? Nein, das weiß ich nicht.

Geschichten müssen reifen, meine jedenfalls, so wie Wein in den Fässern reift, bevor er trinkbar ist.

Das nächste Mal werde ich euch etwas über die Geschichte erzählen, an der ich im Moment arbeite.

Augen – Blicke

Der Weihnachtslichterglanz ist vorüber, die fetten Pasteten, die saftigen Braten und die leckeren Süssigkeiten sind verdaut, der Alltag hat mich wieder eingeholt.

Gut so, oder auch nicht, denn der Januar hat, nach einem frühlingshaften Dezember, zugeschlagen und zwar erbarmungslos. Nein nicht mit Schnee, aber mit Regen, drei Wochen lang.

Nun, ich habe nicht viel verpasst, eine schon lang geplante Augenoperation stand an, eine gute Zeit, die in diesem trüben Wetter durchzuführen.

Was habe ich noch gemacht, während diesen Regentagen? Natürlich geschrieben, das Wetter hat ja gerade dazu eingeladen.

Meine Protagonistin, ihr Aufbegehren, ihre Suche, ihr Scheitern und letztendlich ihr Erfolg, und danach die Erkenntnis, dass Erfolg nicht alles ist, das treibt mich an, immer weiter Szene um Szene in meinem Computer zu schreiben.

Eigentlich ist das für mich die schönste Zeit des Schreibens. Ich tauche in meine Geschichte ein, ich lebe mit meiner Protagonistin, ich leide mir ihr, ich freue mich, wenn es ihr gut geht und ich weine mit ihr, wenn sie mal wieder nicht weiß wie es weitergehen soll.

Und wenn ich dann “ENDE” unter mein Manuskript geschrieben habe, dann…, berichte ich euch darüber, wie ich mich fühle. Ich hoffe, dass ich das bald tun kann.

Hier mal ein kleiner Ausschnitt. Für meine Protagonistin beginnt einer neuer Lebensabschnitt:

“Hier ist es”, die ersten Worte von Frau Smith, nach der einstündigen Fahrt quer durch die Stadt. Sie hielt vor einem mächtigen Eisentor an, und stieg aus um es zu öffnen.

Wie ein Gefängnis, dachte Anna und duckte sich in ihren Sitz. Eine lange Baumallee führte zum Eingang des Hauses. Kein Licht erhellte die Fenster. Anna kletterte aus dem Wagen und nahm stumm den Koffer in Empfang, den Frau Smith aus dem Kofferraum gehoben hatte. Sie schritt hinter ihr die Steinstufen hoch und trat in eine dunkle Halle. Schüchtern wartete sie, bis Frau Smith das Licht eingeschaltet hatte, um ihr dann den Korridor entlang in das Büro zu folgen. 

“Ich werde dir nachher dein Zimmer zeigen, das du mit einem anderen Mädchen, einer Französin, teilen wirst.” Sie beugte sich nach vorne, zog aus einer Mappe ein eng beschriebenes Blatt heraus und schob es zu Anna hin. “Das sind unsere Hausregeln, da sie aber nur in englischer Sprache vorliegen, werde ich sie für dich übersetzten.”

Anna nahm das Blatt und starrte auf die handgeschriebenen Buchstaben, und erneut fuhr ihr das Wort ‘Gefängnis’ durch den Kopf.

“Morgens um sechs Uhr ist Tagwache”, begann Frau Smith, “danach eine Stunde Turnen und um sieben Uhr Frühstück im Gemeinschaftsraum. Nach dem Frühstück gibt es eine Stunde Englischunterricht.”

Anna schaute sie erstaunt an: “Wann darf ich dann zur Schule gehen?”

“Nach dem Unterricht”, erwiderte Frau Smith und fuhr fort, “am späten Nachmittag wird in der Küche mitgeholfen. Gemüse rüsten, Tische herrichten, Wäsche waschen, denn wir sind hier kein Hotel”, ergänzte sie mit strenger Stimme. “Nach dem Abendessen, das gemeinsam um sieben Uhr eingenommen wird, ist noch eine Stunde zur freien Verfügung, und um neun Uhr ist Lichterlöschen. Hast du alles verstanden?”

Anna nickte. “Darf ich dann in dieser freien Stunde noch malen?”, fragte sie schüchtern. 

“Es wäre besser, wenn du in dieser Stunde Englisch lernen würdest, malen kannst du zur Genüge in der Schule.” Sie erhob sich, “komm ich zeig dir jetzt dein Zimmer.”

Aus meinem Schreibtagebuch

Ich habe euch ja versprochen, ab und zu auch über meinen Schreiballtag zu berichten, obwohl, so spannend ist so ein Tag auch wieder nicht. Doch heute bin ich in Laune.

Mein Romanmanuskript geht recht flott voran. Meine Protagonistin macht das, was ich will, sie tanzt also noch nicht aus der Reihe. Das macht mich etwas stutzig, denn sie ist im Grunde genommen eine sehr selbstbewusste Person.

Doch …, da tauchen plötzlich zwei junge Frauen auf, die ich in meinem Kapiteltreatment nicht eingeplant hatte. Nun gut, die beiden passen in die Geschichte, und deshalb gebe ich ihnen auch die Gelegenheit, darin mitzuspielen. Für eine kurze Zeit, jedenfalls.

Und dann, und jetzt wird es spannend, entwickelt sich zwischen meiner Protagonistin und zwei Männern, plötzlich so etwas, na ich weiß nicht, es soll ja keine Liebesgeschichte werden.

Was mach ich jetzt? Den einen rausschmeissen, den anderen lassen –  oder einfach mal beide in die Story mit einbeziehen? Hm!

Wie soll mein Kapitelübergang nun sein? Erzählte Zeit oder Erzählzeit? Rückblende? Innerer Monolog …? Im Moment hänge ich.

Aber ich verspreche euch, ich werd den “Knoten” lösen und wieder berichten.