Von Dachbodenentrümpelung, Omeletts mit jungem Knoblauch und anderen Dingen

Da, wo ich wohne, in der Dordogne, kennt man den ‘Tanz in den Mai’ nicht, doch auch dieser Monat aller Monate wird hier gefeiert.

Schon am Abend vorher liegt ein leichter Knoblauchduft über den Dörfern. Fleißige Frauen schnippeln den jungen Knoblauch ‘Aillette’ genannt, (feine grüne Stangen die wie junger Lauch aussehen), und dünsten ihn mit Olivenöl in großen Pfannen. Berge von Knoblauch werden so für das Fest vorbereitet.

Am nächsten Morgen herrscht eifriges Treiben auf den Dorfplätzen. Körbe mit Eier, und der gedünstete Knoblauch werden gebracht. Riesige Brotlaibe, Wein, Käse, frische Erdbeeren und Kuchen türmen sich auf den Tischen.

Auch mein ‘Dorf’ feiert den 1. Mai mit Omeletts à l’Aillette. Sie schmecken köstlich, diese Omeletts, zusammen mit einem duftenden Stück Brot und einem Glas Rotwein, besser kann ich mir den Beginn vom Wonnemonat Mai nicht vorstellen.

Fröhliches Lachen und Geschnatter empfängt mich, als ich aus dem Auto steige, untermalt mit französischen Chansons, die aus einem Lautsprecher plärren.

Das erste Omelett ist gegessen und ich mache mich auf, um über den Blumenmarkt zu bummeln, der dazu gehört. Geranien in allen Farben, Rosen, bunte Sträucher, und noch viel mehr werden angeboten.

Ich kaufe meine Geranien, so wie ich das jedes Jahr mache. Schnuppere an den Rosen, und werde – schwach. Eine Rose, mit dem Namen ‘Isabelle’, zartrosa, mit einem leichten Gelb in der Mitte der Blüte, hat mein Herz erobert. Diese Rose musste ich haben!

Blumenkaufen macht hungrig, deshalb war der Verzehr von einem weiteren Omelett angesagt, bevor ich mich zum ‘Dachentrümpelungsmarkt’, (Vide Grenier, oder zu Deutsch: Flohmarkt) aufmache. Denn der gehört ebenso wie der Blumenmarkt zum 1. Mai.

Ich staune, was da alles so angeboten wird. Viel Kitsch, viel Schrott, dazwischen aber echte Schnäppchen.

Meine Tasche fest unter den Arm geklemmt bummle ich über den Markt. Halte hier ein Schwätzchen, nehme dort ein Bild, einen Topf oder eine Statue in die Hand, und stelle alles brav wieder auf den Ausstellungstisch zurück. “Ich brauche nichts”, murmle ich entschuldigend und schlendere weiter.

Plötzlich, eine Suppenterrine springt mir ins Auge. So kitschig, dass sie schon wieder als schön bezeichnet werden kann. “Was soll die kosten?”, frage ich. “Zehn Euros”, erwidert der Händler und, hält mir das gute Stück entgegen.

Nach ein paar Minuten bin ich stolze Besitzerin der schönsten und kitschigsten Suppenterrine weit und breit.

‘Salon du Livre’ in Paris oder Buchmesse in Leipzig?

Das war die Frage, die ich recht schnell beantworten konnte.

Zwei Gründe haben mich dazu bewogen: Erstens ist Leipzig von meinem Wohnort fast nicht erreichbar, und zweitens habe ich von der Frankfurter Buchmesse, die in Paris vertreten ist, eine Einladung zu einem ‘Dejeuner’ erhalten. Weshalb, das weiß ich nicht, aber ich muss ja nicht immer alles hinterfragen.

Also, Bahnkarte gekauft und Hotel gebucht.

Punkt zehn Uhr öffneten sich die Tore, und eine unglaubliche Menschenmasse strömte in die Messehallen. Nein, klein ist dieser ‘Salon’ absolut nicht.

Wie in Frankfurt, werde ich von einer Unmenge von Büchern empfangen. Gleich am Eingang präsentiert sich ein Verlag mit Kunstbänden. Louvre, Museé d’Orsay, Picasso, Monet, Manet, Van Gogh, nur um einige zu nennen. Paris, ist nicht nur die Stadt der Liebe, sondern auch die Stadt der Künste.

Dann folgte ein Stand mit Reisebüchern, moderner französischer Literatur, Kinderbücher, Kochbücher, Gartenbücher,  und noch Vieles mehr.

Auch Amazon.fr mit seinem Kindle, und seinem Create Space Angebot war vor Ort.

Was ich nicht gesehen habe, waren die Podiumsdiskussionen zwischen Autoren, Verlagen, Lektoren und Lesern. Einzig Amazon präsentierte sein Programm einer kleinen interessierten Gruppe, der Titel war: ‘Schreiben und gelesen werden’.

Was man aber konnte, bei allen Ausstellern, Bücher kaufen. Es war also eine große Verkaufsmesse.

Nur gut, dass ich nicht so viele französische Bücher lese, sonst …

Am Frankfurter-Ausstellungsstand, wo wirklich ein ‘Frühstück’ serviert wurde, und man sich auch mit Büchern eindecken konnte (was ich getan habe), wurde mir erklärt, dass es erst das zweite Jahr ist, in dem sie sich in Paris präsentieren, und im Hinblick auf die Jugendbuchmesse in Bologna Kontakte zu französischen Jugendbuchautoren und Verlagen aufbauen wollen.

Wer weiß, vielleicht bekommt meine Kindergeschichte, die schon lange in meinem Computer schlummert, endlich eine Chance, das ‘Licht der Welt’ zu erblicken.

Ach ja, was ich nicht unerwähnt lassen möchte, und was mir sehr gefallen hat, es tummelten sich ganz, ganz viele Schulklassen mit ihren Lehrern in den Hallen. Die Kinder durften die Bücher anfassen  darin blättern, und für einmal hatten die Kids nicht ihr Handy,  sondern Bücher in der Hand.

Ich denke, dass ich diese Messe nicht das letzte Mal besucht habe.

 

Zug fahren in Frankreich ist immer noch ein Abendteuer…

… ganz besonders auf dem Land, obwohl die französische Bahn alles unternimmt, den Leuten das Bahnfahren schmackhaft zu machen.

Da gibt es Angebote aller Art. Für Schüler, für diejenigen, die nur ab und an ihren Fuß in ein solches Fortbewegungsmittel setzten wollen, für Gruppen, für Senioren und noch viele andere, ich kann gar nicht alles aufzählen.

Hin und wieder lasse ich mich sehr gerne mit dem Zug von St.Foy la Grande  nach Bordeaux bringen. Weil, ich muss in Bordeaux keinen Parkplatz suchen, keine Parkplatzgebühr bezahlen, kann mich im Zug entspannen, lesen, aus dem Fenster schauen oder einen Schwatz mit meinem Sitznachbarn pflegen. Ich erfahre dabei viel Neues, zum Beispiel über die Sorgen der Weinbauern, über das Schulsystem, das auch nicht mehr dasselbe ist, wie es einmal war, über Schliessungen diverser Kleinläden in der Region und noch vieles mehr.

Eine Bahnfahrt auf dem Land kann aber nicht so einfach geplant werden, nein, sie ist immer mit einem Fragezeichen verbunden. Es gibt zwar einen Fahrplan, der sogar im Internet aufgerufen werden kann, und trotzdem stellt sich schon am Vorabend die Frage: fährt er, der Zug, oder fährt er nicht?

Beispiel gefällig? Ich fahre am Tag X zum Bahnhof, ich möchte in Bordeaux bummeln. Am Abend zuvor habe ich im Internet recherchiert, ob die geplante Fahrt auch stattfinden kann. Sie kann, hat mir der Fahrplan gesagt.

Schon von Weitem entdecke ich an der Eingangstür zum Wartesaal, ein Schild hängen. Ich ahne nichts Gutes, das sich dann auch bestätigt, als ich am Schalter meine Fahrkarte lösen will.

Heute fährt kein Zug, erfahre ich, heute werden die Bäume am Bahndamm geschnitten und die Schienen gesäubert. Ich murre etwas und frage, weshalb das nicht auf der Internetseite der Bahn bekanntgegeben worden sei, denn immerhin bin ich zehn Kilometer mit dem Auto nach St. Foy la Grande gefahren.

Schulterzucken! Das sei noch nicht bekannt gewesen, gestern Abend, war die lakonische Antwort.

Es gäbe noch weitere Beispiele zu erzählen.Trotz aller Hindernissen werde ich nicht auf das Bahnfahren verzichten.

Augen – Blicke

Der Weihnachtslichterglanz ist vorüber, die fetten Pasteten, die saftigen Braten und die leckeren Süssigkeiten sind verdaut, der Alltag hat mich wieder eingeholt.

Gut so, oder auch nicht, denn der Januar hat, nach einem frühlingshaften Dezember, zugeschlagen und zwar erbarmungslos. Nein nicht mit Schnee, aber mit Regen, drei Wochen lang.

Nun, ich habe nicht viel verpasst, eine schon lang geplante Augenoperation stand an, eine gute Zeit, die in diesem trüben Wetter durchzuführen.

Was habe ich noch gemacht, während diesen Regentagen? Natürlich geschrieben, das Wetter hat ja gerade dazu eingeladen.

Meine Protagonistin, ihr Aufbegehren, ihre Suche, ihr Scheitern und letztendlich ihr Erfolg, und danach die Erkenntnis, dass Erfolg nicht alles ist, das treibt mich an, immer weiter Szene um Szene in meinem Computer zu schreiben.

Eigentlich ist das für mich die schönste Zeit des Schreibens. Ich tauche in meine Geschichte ein, ich lebe mit meiner Protagonistin, ich leide mir ihr, ich freue mich, wenn es ihr gut geht und ich weine mit ihr, wenn sie mal wieder nicht weiß wie es weitergehen soll.

Und wenn ich dann “ENDE” unter mein Manuskript geschrieben habe, dann…, berichte ich euch darüber, wie ich mich fühle. Ich hoffe, dass ich das bald tun kann.

Hier mal ein kleiner Ausschnitt. Für meine Protagonistin beginnt einer neuer Lebensabschnitt:

“Hier ist es”, die ersten Worte von Frau Smith, nach der einstündigen Fahrt quer durch die Stadt. Sie hielt vor einem mächtigen Eisentor an, und stieg aus um es zu öffnen.

Wie ein Gefängnis, dachte Anna und duckte sich in ihren Sitz. Eine lange Baumallee führte zum Eingang des Hauses. Kein Licht erhellte die Fenster. Anna kletterte aus dem Wagen und nahm stumm den Koffer in Empfang, den Frau Smith aus dem Kofferraum gehoben hatte. Sie schritt hinter ihr die Steinstufen hoch und trat in eine dunkle Halle. Schüchtern wartete sie, bis Frau Smith das Licht eingeschaltet hatte, um ihr dann den Korridor entlang in das Büro zu folgen. 

“Ich werde dir nachher dein Zimmer zeigen, das du mit einem anderen Mädchen, einer Französin, teilen wirst.” Sie beugte sich nach vorne, zog aus einer Mappe ein eng beschriebenes Blatt heraus und schob es zu Anna hin. “Das sind unsere Hausregeln, da sie aber nur in englischer Sprache vorliegen, werde ich sie für dich übersetzten.”

Anna nahm das Blatt und starrte auf die handgeschriebenen Buchstaben, und erneut fuhr ihr das Wort ‘Gefängnis’ durch den Kopf.

“Morgens um sechs Uhr ist Tagwache”, begann Frau Smith, “danach eine Stunde Turnen und um sieben Uhr Frühstück im Gemeinschaftsraum. Nach dem Frühstück gibt es eine Stunde Englischunterricht.”

Anna schaute sie erstaunt an: “Wann darf ich dann zur Schule gehen?”

“Nach dem Unterricht”, erwiderte Frau Smith und fuhr fort, “am späten Nachmittag wird in der Küche mitgeholfen. Gemüse rüsten, Tische herrichten, Wäsche waschen, denn wir sind hier kein Hotel”, ergänzte sie mit strenger Stimme. “Nach dem Abendessen, das gemeinsam um sieben Uhr eingenommen wird, ist noch eine Stunde zur freien Verfügung, und um neun Uhr ist Lichterlöschen. Hast du alles verstanden?”

Anna nickte. “Darf ich dann in dieser freien Stunde noch malen?”, fragte sie schüchtern. 

“Es wäre besser, wenn du in dieser Stunde Englisch lernen würdest, malen kannst du zur Genüge in der Schule.” Sie erhob sich, “komm ich zeig dir jetzt dein Zimmer.”