Aus meinem Schreibtagebuch

Aufstehen, wenn die arbeitende Bevölkerung schon die ersten Arbeitsstunden hinter sich gebracht hat, gemütliches Kaffee trinken, meine zwei Katzen füttern, sich dann mit Block und Bleistift in ein Bistro zu setzen und auf die Muse warten?  Nein, so sieht mein Schreibtag nicht aus.

Kaffee trinken um die Lebensgeister auf Vordermann zu bringen,  ja das trifft zu, und das Füttern von meinen zwei ‘Raubtieren’ auch.

Das mit dem Bistro und der Muse, wäre  schön,  aber… trifft leider nicht zu.

Ich fahre den Computer hoch, ich lese die letzten Sätze, die ich spät am Abend noch geschrieben habe  und … lösche sie.

Dann sitze ich sinnend vor dem blinkenden Cursor, schlage mein Notizbuch auf, und überprüfe meinen Plot auf Schwachstellen.

Eigentlich stimmt alles, der Plot und auch die Figurenblätter. Warum habe ich dann ein Loch und komme nicht weiter?

Vielleicht sollte ich das mit dem Bistro und dem Block und Bleistift wirklich mal ausprobieren?Vielleicht küsst mich die Muse in einem Bistro eher, als zu Hause in meiner Schreibstube?

In Frankreich gibt es jede Menge Bistros, sogar in meinem Dorf. Ich werde das mal ausprobieren und euch wieder berichten. Ich bin selbst gespannt, ob das funktioniert.

Das Haus

Groß und behäbig schaute es auf mich herab, als ich auf den Hof fuhr. So riesig hatte ich es mir nicht vorgestellt.

Ich öffnete die Tür, die leise knarrte, und betrat die große Wohnküche. Trotz Spinngewebe und dickem Staub, war ich überwältigt, über das was ich sah. Küchenschränke mit handgeschnitzten Türen, in der Mitte ein Tisch mit einer Tischplatte, auf der noch Einkerbungen und schwarze Abdrücke von den gusseisernen Töpfen zu sehen waren. Wie viel Geschichten hatten sich in diesen Mauern wohl abgespielt?

Das zweihundertjährige Haus wurde von einem jungen Bauern und seiner Frau gebaut. Sie hatten das Stück Land von der Dorfgemeinde gekauft. Es bestand am Anfang nur aus zwei Zimmern. Eines in dem gekocht und gelebt wurde, das andere diente als Schlafkammer.

Wie alle Häuser in dieser Gegend, wurde es im typischen Dordogne-Stil erbaut. Die dicken Steinmauern dienten dazu, im Sommer die Hitze und im Winter die kalten Winde, die vom Meer her über das Land brausten, abzuhalten. Wiesen, auf denen Kühe und Schafe friedlich weideten, umrahmten das Haus. Mais und Korn wogten im Sommerwind.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Haus über Generationen hinweg zu seiner jetzigen Größe ausgebaut.

Inzwischen bewirtschaftete ein Enkel der vierten Generation den Hof. Die schweren Landmaschinen erlaubten, dass die Arbeiten leichter von Hand gingen als früher. Trotzdem, sie erforderte immer noch viel körperlichen Einsatz. Die ganze Familie war, vor allem im Frühjahr, Sommer und Herbst von Sonnenaufgang bis zur Dämmerung auf den Feldern.

Jahre verstrichen, die Kinder verließen das Land, es zog sie in die nahe Stadt mit ihren Attraktionen und der Bauer blieb mit seiner Frau allein zurück. Mühselig war nun die Arbeit auf den Feldern. Ihre Rücken waren gebeugt und ihre Hände mit Schwielen übersät. Trotz alledem waren sie zufrieden mit ihrem Leben und ihrer Zweisamkeit.

Als die Frau des Bauern starb, verkaufte er das Haus an einen reichen Gutsherrn und zog zu seinen Kindern.

Das Haus wurde verschlossen. Nur die Mäuse raschelten durch die alten Gemäuer. Stattlich und erhaben thronte es in der Landschaft.

Hin und wieder vermietete der Gutsherr das Haus an Leute, die ihre Ferien auf dem Land verbringen wollten. Die Fenster wurden geöffnet, die Sonne schien in die Zimmer und wärmte die Wände.

Dann aber kamen keine Leute mehr. Es war nicht mehr modern, die Ferien auf dem Land zu verbringen. Die weite Welt zu erkunden, war nun angesagt.

Die Jahre zogen über das Land. Regen und Wind fegten über das Dach und rüttelten an den Läden. Im Sommer brannten die Sonnenstrahlen auf die Mauern. Wilde Brombeeren umrankten das Haus und die Holztür des Stalles moderte vor sich hin.

Ich stand immer noch wie betäubt in der Wohnküche. Dieses Haus will ich haben. Hier will ich mein Leben verbringen. Kurzentschlossen suchte ich den Gutsherrn auf. Schnell wurden wir handelseinig und per Handschlag der Kauf bestätigt. Etwas mulmig war mir zwar schon zumute, als ich in die Schweiz zurückfuhr. Ich, ein Stadtmensch durch und durch. Schnell wischte ich diesen Gedanken weg. Irgendwie werde ich es schon schaffen!

Heute lebe und arbeite ich in diesem Haus. Mein Traum ist Wirklichkeit geworden.