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Deine Küsse schmecken wie frische Erdbeeren 

Ein herrschaftliches Weingut in der Dordogne im Südwesten von Frankreich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.

Amélies innigster Wunsch ist es, Medizin zu studieren. Doch ihr Leben als Tochter eines Weingutbesitzers ist vorgezeichnet. Nach erbitterten Diskussionen mit ihren Eltern willigen diese endlich ein. Sie bekommt als eine der wenigen Frauen einen Studienplatz an der Universität in Bordeaux. Mit einem Doktortitel kehrt sie zurück und übernimmt eine Landarztpraxis.

Auf einem Weinfest begegnet ihr Alexandre, ein Erntehelfer. Sie fühlt sich von seiner Unbekümmertheit angezogen, er bewundert ihre Intelligenz. Trotz sozialer Unterschiede kommen sie einander näher. Es entwickelt sich eine Liebe, die nicht sein darf. Alexandre verschwindet aus Amélies Leben, ohne dass sie ihn jemals vergessen kann. Jahre später begegnen sie sich erneut …

Ein Roman über eine selbstständige Frau, die sich den gesellschaftlichen Zwängen der damaligen Zeit widersetzt.

Leseprobe

Es war eine laue Frühlingsnacht, als ich mich mit Alexandre in unserem Turm traf. Auf dem Tisch stand eine Flasche Rotwein. Wir tranken und liebkosten uns gleichzeitig. Seine Hände waren überall. Langsam öffnete er die Knöpfe meiner Bluse, streifte sie mir von den Schultern. Als ich nackt vor ihm stand, hielt er kurz inne und betrachtete mich. Seine blauen Augen wurden dunkel.

„Du bis wunderschön, Amélie“, flüsterte er heiser. Sanft hob er mich auf die Lagerstatt und liebte mich mit einer Heftigkeit, die ich so noch nie erlebt habe.

Als wir keuchend voneinander abließen, nahm er meine Hand und küsste die Fingerspitzen. „Amélie, ich werde weggehen.“

„Weshalb?“, fragte ich erschrocken.

„Ich muss. Ich bin zu lange hiergeblieben und ich möchte dich nicht in Verruf bringen.“

„Du bringst mich nicht in Verruf.“

„Die Leute tuscheln über uns, das schadet dir als Ärztin und Tochter eines angesehenen Weinguts. Aber es ist nicht nur das, ich bin nicht dazu gemacht, sesshaft zu werden. Ich bin ein Wandervogel.“

„Ich setzte mich auf. „Wann gehst du?“

„Bald. Ich habe eine Arbeit im Süden gefunden.“

„Sehen wir uns noch einmal?“

„Ich denke, es ist besser, wenn wir das nicht tun.“

Ich senkte den Kopf, er sollte meine Tränen nicht bemerken. Er sollte überhaupt nicht sehen, dass mir sein Fortgehen etwas ausmachte. Ich stand auf und schlüpfte in die Kleider. Unsere Augen trafen sich. Ich drehte mich um und verließ das Turmzimmer. Eine Fledermaus huschte aus ihrem Versteck und verschwand durch die Luke ins Freie. Langsam ging ich zum Weingut zurück.

Tredition

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Leserstimme

am 11. Juni 2018
“Deine Küsse schmecken wie frische Erdbeeren” ist das zweite Buch, das ich von Verena Dahms gelesen habe. Ich durfte es vorab lesen, dafür danke ich der Autorin. Meine Erwartungshaltung, die ich nach dem Klappentext hatte, wurde nicht enttäuscht.
Das Cover ist sehr gut gelungen und passend zum Inhalt. Der Titel lässt eine Liebesgeschichte vermuten, was auch stimmt. Dennoch ist dieser Roman weitaus mehr.
Es geht um eine starke Frau, die ihren Weg sucht, ihren Traum, Ärztin zu werden entgegen aller Widerstände verwirklicht und dann doch durch Schicksalsschläge andere Wege einschlagen muss.
Die Autorin hat mich auf eine Reise in eine mir nicht unbedingt bekannte Welt mitgenommen.
Es ist kurz nach dem 2. Weltkrieg.
Amélie lebt mit ihren Eltern und ihren beiden Brüdern Louis und Benjamin auf einem Weingut in der Dordogne. Es geht ihnen gut. Die Mutter legt großen Wert auf Etikette, auf Namen und ihr Ansehen. Der Vater kümmert sich um den Weinanbau, nichts anderes scheint ihm wichtig. So erfährt Amélie von ihren Eltern weder Unterstützung noch Verständnis, dass sie Medizin studieren möchte. Sie soll heiraten und eine Familie gründen und damit der Rolle der Frau entsprechen, die zu der Zeit erwartet wurde.
Dennoch schafft es Amélie, ihre Ziele durchzusetzen. Sie studiert, absolviert ihre Assistenzzeit, was nicht immer einfach ist und setzt sich auch für die Rechte der Frauen ein. Amélie möchte in den Siedlungsvierteln ihres Dorfes praktizieren, wo großes Elend herrscht. Es gelingt ihr nach vielen Umwegen auch, dort selbständig eine Praxis zu betreiben.
Doch dann kommt alles anders, das aber muss man selbst lesen.
Vielschichtig, mit immer neuen Wendungen lässt uns Verena Dahms an Amélies bewegtem Leben teilhaben.
Noch bevor sie ihr Studium beginnt, lernt sie Alexandre kennen, einen Erntehelfer, der auf dem Weingut bei der Lese hilft. Von der ersten Begegnung an hat sich zwischen beiden ein Band gebildet, das nie abreißt, obwohl sie so verschiedenartig sind – sowohl charakterlich als auch von der Herkunft her. Ihre Wege trennen sich mehrfach, kurze Begegnungen von starker Intensität lassen die Liebe immer wieder aufleben. Hat diese Liebe eine Chance?
Amélie ist mir ans Herz gewachsen, ein wunderbarer, sehr authentischer Charakter. Der Roman ist aus Amélies Sicht in Ich-Perspektive geschrieben, was den Leser sehr eng an die Protagonistin heranlässt und Identifikationsmöglichkeiten bietet. Ich habe mit Amélie gelitten, gefiebert, mich gefreut. Die Autorin versteht es, auch den anderen Charakteren Tiefe zu verleihen, sodass mir keine der Personen fremd geblieben ist. Die Charaktere entwickeln sich aus Handlung und Dialogen, nicht nur aus einer simplen Beschreibung, was ich sehr gut empfand.
Die Sprache ist gut verständlich, es liest sich leicht. Durch immer wieder neue Ereignisse bleibt das Buch bis zum Ende interessant.Es ist ein sehr menschliches Buch, das Handeln, Zweifel, Fehlverhalten der Menschen aufzeigt, das Gefühle transportiert und den Leser miterleben lässt. Aber es ist auch ein gesellschaftskritisches Buch, das ein Verstehen der damaligen Zeit ermöglicht und aufzeigt, wie schwer es Frauen bei ihrer Berufswahl hatten.

Absolute Leseempfehlung von mir.

Eine Frau kämpft für ihren Traum 

1956 flüchtet Anna Horvath zusammen mit ihren Eltern vor den sowjetischen Truppen aus Ungarn in ein Bergdorf in der Schweiz. Sie wächst in zwei Welten auf. Ein Zwiespalt entwickelt sich in ihr. Wo gehört sie hin? Ist Ungarn ihre Heimat oder die Schweiz, ihr neues Zuhause? Anton, ein Nachbarjunge, hilft ihr, im Dorf Fuß zu fassen, im Laufe der Zeit entwickelt sich Zuneigung, ja, Liebe.

Doch Anna bleibt getrieben, rastlos, schafft es nicht anzukommen. In ihrer Not entdeckt sie zunächst das Zeichnen, dann das Malen. Damit findet sie ihre Bestimmung, ihr Glück – eine andere Art von Heimat. Ein Kunstagent wird ihr Mentor, sie verlässt das Bergdorf, und später erlangt Anna durch die internationale Anerkennung als Kunstmalerin endlich Akzeptanz. Aus dem Flüchtlingskind von einst wird eine gefeierte Persönlichkeit.

Besessen malt Anna bis zur Selbstaufgabe, verkraftet dadurch Schicksalsschläge, in die sie sich hinein manövriert hat, und obwohl sie immer wieder an Anton, ihre Jugendliebe denkt, schiebt sie ihn und das Leben selbst beiseite.

Ob sie jemals erkennt, dass die Liebe zu einem Menschen wertvoller ist als die Leidenschaft zur Kunst?

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Tredition

Leseprobe

Eine Weile liefen sie schweigend nebeneinander.

Plötzlich durchbrach Anna das Schweigen und zeigte auf die Landschaft: „Das male ich, aber ich male es nicht ab, sondern aus dem Kopf. Beim Franz habe ich das Abmalen gelernt doch so wie ich es jetzt mache, gefällt es mir besser. Ich weiß aber nicht, ob das richtig ist. Es ist mein Gefühl und deshalb bin ich nicht sicher, ob meine Bilder, die ich Ihnen gezeigt habe, gut sind. Sie sind so anders.“ Fragend schaute sie Sonderegger an.

„Sie sind gut, Anna.“ Er legte den Arm um ihre Schulter. „Pass auf, Expressionismus nennt man das. Eine andere Richtung in der Malerei, in der nicht abgemalt wird, sondern das, was die Seele des Malers damit anfängt. Maler wie van Gogh haben diesen Stil geprägt. Es war damals ein Aufbegehren gegen die bestehende Ordnung und gegen das Bürgertum.“ Er blieb stehen und schaute sich um, als würde er nach den richtigen Worten suchen, bevor er fortfuhr:“ Das sieht manchmal ganz schön wild aus und verkauft sich noch nicht so gut, aber eines Tages wird es das. Und ich denke, dass das die Zukunft in der Malerei ist und nicht diese scheußlichen, süßlichen Bergidylle mit dem Gamsbock, die das normale Volk sich in der Stube aufhängt.“ Er nahm den Arm von ihrer Schulter.

Anna schaute ihn mit großen Augen an. Da war jemand, der sie zu verstehen schien. Sie ging schneller, selbstbewusster.

Fremdes Kind

Erhältlich als Taschenbuch und eBook bei Amazon.de

Junge Frau, auf der Suche nach ihren Wurzeln, und ein alternder, kranker Künstler, den die Vergangenheit nicht loslässt, treffen sich in der Einsamkeit der Normandie.

Isabelle will aus dem konventionellen und bürgerlichen Leben ausbrechen. Sie will frei sein, obwohl sie keine genaue Vorstellung davon hat, was das ist. Nach vielen Rückschlägen flüchtet sie in eine einsame Hütte an der normannischen Küste. Dort lernt sie Norman kennen, den alternden aber lebenserfahrenen Künstler. Sie mögen sich, doch jeder fühlt sich dem anderen überlegen, bis sie merken, dass sie einander brauchen.

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Leseprobe

Die Bar lag an der langgezogenen Hauptstraße am Ende des Dorfes. Bar Restaurant Les Oiseaux stand in großen Lettern an der Frontseite über dem Eingang geschrieben. Links und rechts vom Eingang standen irdene Kübel, in denen allerlei Grünzeug wucherte. Auf der einen Seite befand sich eine Terrasse, welche mit Natursteinen umrandet war. Die Tische und Stühle lehnten zusammengestellt an der Hauswand und warteten auf Sonnenschein und Wärme.

Das Haus war niedrig gebaut, der Dachfirst flach. Ein mächtiger Schornstein ragte in der Mitte des Daches in den Himmel. Die grüne Farbe der Fensterläden war durch Regen und Sonne stark in Mitleidenschaft gezogen worden. An einigen Stellen blätterte die Farbe und das Holz, das auch schon verwittert war, kam zum Vorschein. In der oberen Hälfte der Eingangstür war eine Fensterscheibe eingelassen und weiße Spitzenvorhänge verwehrten den Einblick ins Innere der Bar. Rote Backsteine und unregelmäßig geformte gelbe Natursteine umrahmten Tür und Fenster.

Isabelle blieb stehen. Sie hatte eingekauft, nur das Notwendigste, das sie in den nächsten Tagen in der Einsamkeit auf den Klippen benötigen würde. Es ging ihr etwas besser. Das Klopfen in der Hand war nicht mehr so heftig und sie konnte wieder schlafen. Mireille brachte ihr jeden Morgen zwei frische Eier.

“Dass Sie wieder zu Kräften kommen, Kindchen”, hatte sie gesagt. Immer nannte sie sie Kindchen! Irgendwie mochte sie die alte neugierige Frau ein klein wenig.

Sie hängte ihre volle Einkaufstasche an den linken Arm und öffnete mit der Rechten die Tür. Eine Mischung aus abgestandener Luft, Männerschweiß und Anis schlug ihr entgegen. Verstohlen musterte sie die Einrichtung: Poster von Fischerboten an den Wänden, staubige Kunstblumen auf den vereinsamten Tischen.

Das Leben spielte sich an der Bar ab, das sah sie gleich. An der Wand hinter dem Tresen waren Flaschen aufgereiht, links die übliche Sammlung von Sirups von Pfefferminz bis Grenadine, rechts die Kräuterliköre, Obstbrände, Cognac, mehrere preiswerte Whiskysorten und Rum.

Drei Männer in verschmutzten Overalls lehnten am Tresen und genehmigten sich ihren Pastis, eine milchige Flüssigkeit in Wassergläsern. Das polternde Patois konnte Isabelle nicht verstehen. Wie auf Kommando drehten sich alle drei nach ihr um und musternden sie schweigend.

Einer brummte etwas, das sich wie “Eh beh! Touriste” anhörte. Es klang abfällig. Isabelle wurde sich ihrer durchgestylten Aufmachung plötzlich sehr bewusst: Die künstlich und sehr teuer auf alt getrimmte Jeans, das Band-T-Shirt und die Lederjacke, das schrie ja förmlich nach Städterin.

Hinter der Theke stand der Wirt und scheuerte mit einem schmutzigen Lappen die Tischplatte. Er nickte ihr kurz zu und murmelte “komme gleich”, dann wandte er sich wieder seiner Tischplatte zu.

Sie setzte sich an einen Bistro-Tisch nahe am Fenster und legte ihr Handy auf den Tisch. Hier hatte sie kein Funkloch so wie gestern auf den Klippen, aber es blieb stumm. Kein Mensch wollte wissen, wie es ihr ging.

Nachdenklich schaute sie auf die Straße. Hier würde sie also in den kommenden Jahren leben. Es gab zwar alles, was man so zum Leben brauchen würde. Einen Tante-Emma-Laden, in dem nebst Wurst, Obst und Gemüse auch Strumpfhosen angeboten wurden und eine Boulangerie mit herrlich duftendem Brot und sagenhaft aussehenden Torten. Sie hatte bei ihrem Einkauf staunend vor der Auslage gestanden.

Ihre Einkäufe müsste sie zu Fuß erledigen. Aber das war nicht das Problem, sie würde nicht viel brauchen. Aber hier am Ende der Welt? Wollte sie wirklich hier leben?

Nach anfänglichem Zögern war sie Feuer und Flamme gewesen, als Danielle das Haus in der Normandie angeboten hatte. Hier würde sie vergessen können, hatte sie gedacht. Hier würde sie endlich Zeit und Ruhe finden, ihr Buch zu schreiben. Ein lang gehegter Wunsch. Aber Jetzt? Ihr Daumen pochte. Sie würde in nächster Zeit nicht schreiben können. Also herumsitzen, entweder im Haus oder hier in der Bar, wo sich die Arbeiter einen Pastis genehmigten, und sie wie eine Außerirdische anstarrten, weil sie so anders aussah, und wo die Einwohner über sie tuscheln würden. Sie würde keinen Anschluss finden.