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1956 flüchtet Anna Horvath zusammen mit ihren Eltern vor den sowjetischen Truppen aus Ungarn in ein Bergdorf in der Schweiz. Sie wächst in zwei Welten auf. Ein Zwiespalt entwickelt sich in ihr. Wo gehört sie hin? Ist Ungarn ihre Heimat oder die Schweiz, ihr neues Zuhause? Anton, ein Nachbarjunge, hilft ihr, im Dorf Fuß zu fassen, im Laufe der Zeit entwickelt sich Zuneigung, ja, Liebe.

Doch Anna bleibt getrieben, rastlos, schafft es nicht anzukommen. In ihrer Not entdeckt sie zunächst das Zeichnen, dann das Malen. Damit findet sie ihre Bestimmung, ihr Glück – eine andere Art von Heimat. Ein Kunstagent wird ihr Mentor, sie verlässt das Bergdorf, und später erlangt Anna durch die internationale Anerkennung als Kunstmalerin endlich Akzeptanz. Aus dem Flüchtlingskind von einst wird eine gefeierte Persönlichkeit.

Besessen malt Anna bis zur Selbstaufgabe, verkraftet dadurch Schicksalsschläge, in die sie sich hinein manövriert hat, und obwohl sie immer wieder an Anton, ihre Jugendliebe denkt, schiebt sie ihn und das Leben selbst beiseite.

Ob sie jemals erkennt, dass die Liebe zu einem Menschen wertvoller ist als die Leidenschaft zur Kunst?

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Tredition

Leseprobe

Eine Weile liefen sie schweigend nebeneinander.

Plötzlich durchbrach Anna das Schweigen und zeigte auf die Landschaft: „Das male ich, aber ich male es nicht ab, sondern aus dem Kopf. Beim Franz habe ich das Abmalen gelernt doch so wie ich es jetzt mache, gefällt es mir besser. Ich weiß aber nicht, ob das richtig ist. Es ist mein Gefühl und deshalb bin ich nicht sicher, ob meine Bilder, die ich Ihnen gezeigt habe, gut sind. Sie sind so anders.“ Fragend schaute sie Sonderegger an.

„Sie sind gut, Anna.“ Er legte den Arm um ihre Schulter. „Pass auf, Expressionismus nennt man das. Eine andere Richtung in der Malerei, in der nicht abgemalt wird, sondern das, was die Seele des Malers damit anfängt. Maler wie van Gogh haben diesen Stil geprägt. Es war damals ein Aufbegehren gegen die bestehende Ordnung und gegen das Bürgertum.“ Er blieb stehen und schaute sich um, als würde er nach den richtigen Worten suchen, bevor er fortfuhr:“ Das sieht manchmal ganz schön wild aus und verkauft sich noch nicht so gut, aber eines Tages wird es das. Und ich denke, dass das die Zukunft in der Malerei ist und nicht diese scheußlichen, süßlichen Bergidylle mit dem Gamsbock, die das normale Volk sich in der Stube aufhängt.“ Er nahm den Arm von ihrer Schulter.

Anna schaute ihn mit großen Augen an. Da war jemand, der sie zu verstehen schien. Sie ging schneller, selbstbewusster.

Fremdes Kind

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Junge Frau, auf der Suche nach ihren Wurzeln, und ein alternder, kranker Künstler, den die Vergangenheit nicht loslässt, treffen sich in der Einsamkeit der Normandie.

Isabelle will aus dem konventionellen und bürgerlichen Leben ausbrechen. Sie will frei sein, obwohl sie keine genaue Vorstellung davon hat, was das ist. Nach vielen Rückschlägen flüchtet sie in eine einsame Hütte an der normannischen Küste. Dort lernt sie Norman kennen, den alternden aber lebenserfahrenen Künstler. Sie mögen sich, doch jeder fühlt sich dem anderen überlegen, bis sie merken, dass sie einander brauchen.

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Leseprobe

Die Bar lag an der langgezogenen Hauptstraße am Ende des Dorfes. Bar Restaurant Les Oiseaux stand in großen Lettern an der Frontseite über dem Eingang geschrieben. Links und rechts vom Eingang standen irdene Kübel, in denen allerlei Grünzeug wucherte. Auf der einen Seite befand sich eine Terrasse, welche mit Natursteinen umrandet war. Die Tische und Stühle lehnten zusammengestellt an der Hauswand und warteten auf Sonnenschein und Wärme.

Das Haus war niedrig gebaut, der Dachfirst flach. Ein mächtiger Schornstein ragte in der Mitte des Daches in den Himmel. Die grüne Farbe der Fensterläden war durch Regen und Sonne stark in Mitleidenschaft gezogen worden. An einigen Stellen blätterte die Farbe und das Holz, das auch schon verwittert war, kam zum Vorschein. In der oberen Hälfte der Eingangstür war eine Fensterscheibe eingelassen und weiße Spitzenvorhänge verwehrten den Einblick ins Innere der Bar. Rote Backsteine und unregelmäßig geformte gelbe Natursteine umrahmten Tür und Fenster.

Isabelle blieb stehen. Sie hatte eingekauft, nur das Notwendigste, das sie in den nächsten Tagen in der Einsamkeit auf den Klippen benötigen würde. Es ging ihr etwas besser. Das Klopfen in der Hand war nicht mehr so heftig und sie konnte wieder schlafen. Mireille brachte ihr jeden Morgen zwei frische Eier.

“Dass Sie wieder zu Kräften kommen, Kindchen”, hatte sie gesagt. Immer nannte sie sie Kindchen! Irgendwie mochte sie die alte neugierige Frau ein klein wenig.

Sie hängte ihre volle Einkaufstasche an den linken Arm und öffnete mit der Rechten die Tür. Eine Mischung aus abgestandener Luft, Männerschweiß und Anis schlug ihr entgegen. Verstohlen musterte sie die Einrichtung: Poster von Fischerboten an den Wänden, staubige Kunstblumen auf den vereinsamten Tischen.

Das Leben spielte sich an der Bar ab, das sah sie gleich. An der Wand hinter dem Tresen waren Flaschen aufgereiht, links die übliche Sammlung von Sirups von Pfefferminz bis Grenadine, rechts die Kräuterliköre, Obstbrände, Cognac, mehrere preiswerte Whiskysorten und Rum.

Drei Männer in verschmutzten Overalls lehnten am Tresen und genehmigten sich ihren Pastis, eine milchige Flüssigkeit in Wassergläsern. Das polternde Patois konnte Isabelle nicht verstehen. Wie auf Kommando drehten sich alle drei nach ihr um und musternden sie schweigend.

Einer brummte etwas, das sich wie “Eh beh! Touriste” anhörte. Es klang abfällig. Isabelle wurde sich ihrer durchgestylten Aufmachung plötzlich sehr bewusst: Die künstlich und sehr teuer auf alt getrimmte Jeans, das Band-T-Shirt und die Lederjacke, das schrie ja förmlich nach Städterin.

Hinter der Theke stand der Wirt und scheuerte mit einem schmutzigen Lappen die Tischplatte. Er nickte ihr kurz zu und murmelte “komme gleich”, dann wandte er sich wieder seiner Tischplatte zu.

Sie setzte sich an einen Bistro-Tisch nahe am Fenster und legte ihr Handy auf den Tisch. Hier hatte sie kein Funkloch so wie gestern auf den Klippen, aber es blieb stumm. Kein Mensch wollte wissen, wie es ihr ging.

Nachdenklich schaute sie auf die Straße. Hier würde sie also in den kommenden Jahren leben. Es gab zwar alles, was man so zum Leben brauchen würde. Einen Tante-Emma-Laden, in dem nebst Wurst, Obst und Gemüse auch Strumpfhosen angeboten wurden und eine Boulangerie mit herrlich duftendem Brot und sagenhaft aussehenden Torten. Sie hatte bei ihrem Einkauf staunend vor der Auslage gestanden.

Ihre Einkäufe müsste sie zu Fuß erledigen. Aber das war nicht das Problem, sie würde nicht viel brauchen. Aber hier am Ende der Welt? Wollte sie wirklich hier leben?

Nach anfänglichem Zögern war sie Feuer und Flamme gewesen, als Danielle das Haus in der Normandie angeboten hatte. Hier würde sie vergessen können, hatte sie gedacht. Hier würde sie endlich Zeit und Ruhe finden, ihr Buch zu schreiben. Ein lang gehegter Wunsch. Aber Jetzt? Ihr Daumen pochte. Sie würde in nächster Zeit nicht schreiben können. Also herumsitzen, entweder im Haus oder hier in der Bar, wo sich die Arbeiter einen Pastis genehmigten, und sie wie eine Außerirdische anstarrten, weil sie so anders aussah, und wo die Einwohner über sie tuscheln würden. Sie würde keinen Anschluss finden.