Wenn Social Media die Spielregeln ändert – warum die eigene Webseite wieder wichtiger wird
Social Media ist für mich ein Weg – nicht mein Zuhause

Alt-Text: Schreibtisch mit Laptop, Notizbuch, Teetasse und Kerze – ein ruhiger Arbeitsplatz zum Schreiben und Bloggen
Social Media gehört für mich seit Jahren zum Autorinnenleben dazu. Ich nutze Facebook und Instagram, um über meine Bücher zu erzählen, Gedanken aus meinem Schreiballtag zu teilen oder einfach mit Leserinnen in Kontakt zu bleiben.
Ich bin gern dort. Aber ich habe nie den Wunsch verspürt, daraus einen Vollzeitjob zu machen.
Und in letzter Zeit frage ich mich immer öfter: Wie abhängig möchte ich als Autorin eigentlich von Plattformen sein, deren Spielregeln ich nicht bestimmen kann?
Der Anlass für diese Frage ist ziemlich konkret. Meta hat begonnen, externe Links auf Facebook-Seiten stärker zu beschränken. Wer kein entsprechendes Abo abschließt, kann auf betroffenen Seiten nur noch eine sehr begrenzte Zahl an Beiträgen mit anklickbaren Links veröffentlichen.
Für jemanden, der Social Media einfach nur privat nutzt, mag das keine große Sache sein.
Für Autorinnen, Künstlerinnen, kleine Unternehmen und andere Selbstständige sieht es anders aus.
Denn unsere Links führen nicht irgendwohin. Sie führen zu unserer Arbeit.
Wenn plötzlich jemand anderes entscheidet, was wichtig ist
Ein neuer Blogbeitrag ist erschienen. Ein Buch wurde veröffentlicht. Auf der eigenen Webseite gibt es eine Leseprobe oder Neuigkeiten.
Natürlich möchte ich meinen Leserinnen davon erzählen.
Bislang war es selbstverständlich, auf Facebook einen entsprechenden Link zu setzen. Jetzt muss ich mir unter Umständen überlegen, welchen Link ich überhaupt noch teile.
Und genau an diesem Punkt wird mir wieder bewusst, wie wenig uns auf Social Media tatsächlich gehört.
Nicht die Reichweite.
Nicht der Algorithmus.
Nicht einmal die Art, wie wir unsere eigenen Inhalte verlinken dürfen.
Heute gelten bestimmte Regeln, morgen andere. Funktionen verschwinden, neue werden eingeführt, Reichweiten verändern sich und Geschäftsmodelle ebenso.
Das darf Meta selbstverständlich tun. Es ist schließlich die eigene Plattform.
Aber genauso darf ich als Autorin daraus meine Konsequenzen ziehen.
Social Media ist für mich ein Weg – nicht mein Zuhause
Ich werde Facebook und Instagram deshalb nicht verlassen.
Im Gegenteil. Ich mag den Austausch dort. Ich mag spontane Gedanken, Fotos, kleine Geschichten aus meinem Alltag und Gespräche, die sich manchmal aus einem einzigen Beitrag entwickeln.
Aber vielleicht haben wir Social Media irgendwann zu viel Verantwortung übertragen.
Wir erwarten Sichtbarkeit, Reichweite, Buchverkäufe, Austausch und möglichst noch Besucher für unsere Webseiten. Und wenn der Algorithmus eines Morgens beschließt, unseren Beitrag kaum jemandem zu zeigen, fragen wir uns, was wir falsch gemacht haben.
Vielleicht lautet die Antwort manchmal ganz einfach:
Gar nichts.
Wir befinden uns nur auf einer Plattform, deren Interessen nicht dieselben sein müssen wie unsere.
Für mich bedeutet das nicht, mich zurückzuziehen. Es bedeutet eher, Social Media wieder als das zu betrachten, was es eigentlich ist: ein wunderbarer Ort der Begegnung – aber eben geliehener Raum.
Die eigene Webseite gehört mir
Meine Webseite dagegen ist mein Ort.
Hier bestimme ich, wie meine Bücher präsentiert werden. Ich entscheide, worüber ich schreibe, wie lang ein Text sein darf und ob er einem Algorithmus gefällt oder nicht.
Ein Blogbeitrag verschwindet auch nicht nach wenigen Stunden in einem Feed.
Er bleibt.
Manchmal wird ein älterer Beitrag Monate später noch gelesen. Jemand findet ihn über eine Suchmaschine, stöbert weiter und entdeckt vielleicht eines meiner Bücher.
Das ist eine ganz andere Form von Sichtbarkeit.
Langsamer, vermutlich.
Aber auch nachhaltiger.
Und vielleicht entspricht mir gerade das besonders gut.
Und dann gibt es noch etwas Wertvolles: den direkten Kontakt
Dasselbe gilt für einen Newsletter oder ein Blog-Abonnement.
Wer sich dafür einträgt, hat sich bewusst dafür entschieden, von einer Autorin zu hören.
Kein Algorithmus muss diesen Kontakt erst herstellen. Keine Plattform entscheidet, ob ein Beitrag gerade interessant genug ist, um ihn überhaupt anzuzeigen.
Natürlich bedeutet auch das nicht, dass jede Mail geöffnet und jeder Blogbeitrag gelesen wird. Menschen haben schließlich ein Leben außerhalb unserer Bücher.
Aber die Verbindung ist eine andere.
Direkter.
Und unabhängiger.
Gerade für uns Selfpublisherinnen ist das nicht unwichtig. Wir entscheiden sehr vieles selbst: welche Geschichten wir erzählen, wann wir veröffentlichen, wie unsere Bücher aussehen und wie wir sie vermarkten.
Warum sollten wir ausgerechnet den Kontakt zu unseren Leserinnen vollständig in die Hände fremder Plattformen legen?
Vielleicht ist weniger Social Media sogar mehr
Ich merke ohnehin, dass ich keine Lust darauf habe, ständig irgendetwas veröffentlichen zu müssen, nur damit ein Algorithmus mich nicht vergisst.
Ich möchte lieber dann etwas erzählen, wenn ich tatsächlich etwas zu erzählen habe.
Über ein Buch. Über eine Figur, die mich beschäftigt. Über Marseille. Über das Schreiben. Oder über einen Gedanken, der mir morgens beim Kaffee durch den Kopf geht und mich nicht mehr loslässt.
Social Media darf dabei gern laut sein. Manchmal sogar sehr laut.
Aber es muss nicht mein gesamtes Autorenleben tragen.
Vielleicht liegt genau darin eine Chance dieser neuen Einschränkungen: sich wieder daran zu erinnern, dass Facebook und Instagram niemals das Zentrum unserer Arbeit sein mussten.
Das Zentrum kann ganz woanders liegen.
Auf der eigenen Webseite.
Im eigenen Blog.
In den eigenen Geschichten.
Und bei den Menschen, die sie lesen möchten.
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