Nähe ist kein Zuhause – mein neuer Roman ist erschienen
Es ist jedes Mal ein merkwürdiger Moment.
Monatelang gehört eine Geschichte nur mir. Ich lebe mit ihren Figuren, begleite sie durch ihre Zweifel und Entscheidungen und weiss oft mehr über sie als über manche Menschen, denen ich im wirklichen Leben begegne.
Und dann ist das Buch plötzlich veröffentlicht.
Seit dem 1. September ist „Nähe ist kein Zuhause“ als E-Book erhältlich. Damit gehört Arianes Geschichte nicht mehr nur mir. Sie ist unterwegs zu ihren Leserinnen und Lesern.
Und ich? Ich freue mich. Natürlich. Aber neben der Freude sind auch die Zweifel da. Werden die Leserinnen Ariane verstehen? Werden sie erkennen, wie leise ein Mensch sich selbst verlieren kann?
Wenn Nähe langsam zu eng wird
Nähe ist etwas Schönes.
Wir sehnen uns danach, einem Menschen vertrauen zu können. Uns aufgehoben zu fühlen. Nicht mehr allein durch das Leben gehen zu müssen.
Doch was geschieht, wenn diese Nähe immer enger wird?
Emotionale Abhängigkeit beginnt nicht unbedingt mit einem grossen Knall. Oft verschieben sich die Grenzen langsam. Fast unmerklich.
Eine Entscheidung, die man nicht mehr selbst trifft.
Ein Wunsch, den man zurückstellt.
Eine eigene Stimme, die mit der Zeit immer leiser wird.
Von aussen lässt sich leicht fragen: Warum geht sie nicht?
Aber wer mittendrin steckt, erlebt die Situation anders. Liebe, Hoffnung, Angst und Gewohnheit lassen sich nicht sauber voneinander trennen. Genau davon wollte ich erzählen.
Ariane und Laurent
Ariane verlässt Paris und beginnt in Marseille ein neues Leben. Sie glaubt an ihre Beziehung zu Laurent und daran, an seiner Seite ein Zuhause gefunden zu haben.
Doch irgendwann muss sie erkennen, dass Liebe allein nicht genügt, wenn sie sich selbst dabei verliert.
Ich wollte Ariane nicht als hilfloses Opfer schreiben. Ebenso wenig wollte ich aus Laurent einen eindimensionalen Bösewicht machen. Menschen sind selten nur das eine oder das andere.
Mich interessierte das Dazwischen.
Wie viel geben wir von uns auf, weil wir lieben?
Wann wird Rücksicht zur Selbstverleugnung?
Und woran erkennen wir, dass Nähe kein Zuhause mehr ist?
Ich wollte Laurent verstehen, ohne sein Verhalten zu entschuldigen. Und ich wollte Ariane begleiten, ohne über sie zu urteilen.
Denn sich aus einer emotionalen Abhängigkeit zu lösen, ist kein einzelner mutiger Schritt. Es ist ein Prozess. Manchmal ein sehr leiser.
Warum Marseille?
Marseille ist in diesem Roman nicht nur eine Kulisse.
Die Stadt ist laut und widersprüchlich. Schön und rau. Offen und gleichzeitig voller Grenzen. Vielleicht passte sie gerade deshalb so gut zu Arianes Geschichte.
Zwischen La Joliette, dem Panier, der Cathédrale de la Major und der Friche Belle de Mai sucht Ariane nicht nur nach einem Platz in einer neuen Stadt. Sie sucht den Weg zurück zu sich selbst.
Einige dieser Orte habe ich auf meiner Recherchereise nach Marseille besucht. Ich wollte sehen, was Ariane sieht. Durch ihre Strassen gehen. Die Geräusche hören, die Luft riechen und verstehen, weshalb gerade Marseille der richtige Ort für diese Geschichte ist.
Ein Buch geht hinaus
Während des Schreibens waren Ariane und Laurent für mich erstaunlich klar. Ich musste nicht lange nach ihnen suchen. Ihre Stimmen waren da.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ihre Geschichte leicht war.
Manche Szenen haben mich noch lange beschäftigt. Vielleicht, weil die Grenze zwischen Liebe und Abhängigkeit nicht immer dort verläuft, wo wir sie gerne hätten. Vielleicht auch, weil wir alle Situationen kennen, in denen wir zu lange geschwiegen oder einen Teil von uns zurückgestellt haben.
Nun kann ich Arianes Geschichte nicht mehr festhalten.
Ich kann nicht bestimmen, wie sie gelesen wird. Ich kann nur hoffen, dass sie die Menschen erreicht, für die ich sie geschrieben habe.
Für Frauen, die zweifeln.
Für Frauen, die sich selbst aus den Augen verloren haben.
Und für jene, die gerade beginnen, ihre eigene Stimme wiederzufinden.
„Nähe ist kein Zuhause“ ist ab sofort als E-Book bei Amazon erhältlich. Das Taschenbuch folgt in Kürze.
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Denn Nähe kann vieles sein.
Geborgenheit. Vertrauen. Liebe.
Aber ein Zuhause ist sie nur dort, wo wir bleiben dürfen, wer wir sind.
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