Warum ich wieder von Hand schreibe

Die leise Kraft meines Bullet Journals
Es gibt Dinge im Leben, die man nicht bewusst entscheidet.
Sie kehren einfach zurück – so, wie vertraute Melodien oder der Geruch eines alten Buches.
Für mich war es die Handschrift.
Und ein Notizbuch.
Ich habe schon immer Notizbücher geliebt. Diese kleinen Begleiter mit ihren leeren Seiten, die geduldig warten, bis man ihnen ein Wort anvertraut. Früher stapelten sie sich in meinen Schubladen: kariert, liniert, blanko, blütenweiß oder cremefarben. Manche edel, manche schlicht. Ich schrieb hinein, dann wieder eine Weile nicht, dann doch – ein ewiges Pendeln zwischen Disziplin und Intuition.
Und dann kam die digitale Welt.
Praktisch, schnell, effizient.
Aber stiller. Leerer.
Und irgendwann merkte ich: Meine Gedanken wurden es auch.
Die Rückkehr zur Handschrift
Vor ein paar Wochen habe ich mein Bullet Journal – mein BuJo – wieder hervorgeholt. Nicht die App, nicht die digitale Vorlage, sondern ein echtes Notizbuch. Ein Leuchtturm. Mit einem Einband, der leise knistert, wenn man ihn öffnet.
Warum gerade jetzt?
Weil das Schreiben mit der Hand etwas mit mir macht, das kein Computer jemals ersetzen kann.
Es verlangsamt mich.
Es bringt mich zurück ins Spüren.
Meine Gedanken haben plötzlich eine andere Tiefe, wenn ich sie formuliere – Wort für Wort, Strich für Strich.
Beim Tippen kann ich rasen.
Beim Schreiben muss ich atmen.
Was ein Bullet Journal für mich bedeutet
Ich benutze mein BuJo nicht perfekt. Keine kleinen Gemälde, keine geometrischen Tabellen, keine hyperästhetischen Instagram-Seiten. Mein BuJo ist ein Arbeitsbuch, ein Herz-Buch, ein Denk-Buch. Darin stehen:
• kleine To-do-Listen
• Fragmente aus meinen Romanen
• Gedanken, die zu etwas Größerem werden könnten
• Post-Ideen
• Sätze, die bleiben wollen
• Notizen zu meinen Figuren
Und manchmal nur ein einziges Wort.
Auch das genügt.
Es geht nicht um Schönheit.
Es geht um Gegenwart.
Das Schreiben mit der Hand schafft eine andere Art von Ordnung
Was mich am meisten erstaunt hat:
Sobald ich einen Stift in der Hand habe, entsteht eine Struktur, die nicht nach Perfektion strebt, sondern nach Klarheit.
Mit der Hand zu schreiben bedeutet, innerlich zu sortieren, bevor die Worte aufs Papier fallen.
Am Computer fällt das Sortieren oft weg – man kann ja später noch löschen.
Handschrift lässt sich nicht einfach rückgängig machen.
Und genau deshalb ist sie ehrlicher.
Ich schreibe zum Beispiel meine Amazon Ads-Notizen mittlerweile lieber ins BuJo. Nicht alles, aber das, was wichtig ist: KPIs, CTRs, kleine Erkenntnisse. Ich „verstehe“ sie besser, wenn ich sie mit der Hand notiere. Mein Kopf erinnert sich anders.
Warum das Analoge im digitalen Zeitalter wieder wichtiger wird
Vielleicht ist es Zeitgeist.
Vielleicht ist es Gegenbewegung.
Vielleicht ist es einfach Menschlichkeit.
Die Welt wird schneller, lauter, technischer.
Wir leben in einem Zeitalter, in dem KI Romane analysiert, Schreiben begleitet, Bilder erzeugt. Das alles ist faszinierend – und hilfreich.
Aber gerade deshalb brauche ich die Handschrift.
Sie ist die einzige Technologie, die niemals aktualisiert werden muss.
Sie bleibt.
Und sie erdet mich.
Handschrift ist ein Gespräch mit sich selbst
Wenn ich in mein BuJo schreibe, habe ich das Gefühl, dass meine Gedanken langsamer, klarer und wahrhaftiger werden. Ich formuliere anders. Ich fühle anders.
Es ist ein Dialog, kein Protokoll.
Und ich merke:
Das Schreiben von Hand ist eine Form der Selbstfürsorge.
Vielleicht ist es genau das, was vielen Menschen gerade fehlt
Nicht mehr Tools.
Nicht mehr Effizienz.
Sondern ein Ort, an dem Gedanken sitzen bleiben dürfen, anstatt sofort weiterzuhüpfen.
Ein Notizbuch ist so ein Ort.
Still, geduldig, ohne Benachrichtigungen.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich wieder mit der Hand schreibe.
Nicht, weil es nostalgisch ist.
Nicht, weil es „besser“ wäre.
Sondern weil es mich erinnert:
Ich denke mit der Hand anders.
Ein wenig tiefer.
Ein wenig ehrlicher.
Ein wenig langsamer — und das tut gut.
📚
Wie geht es dir damit? Schreibst du noch mit der Hand – oder ausschließlich digital? Und wenn du ein BuJo führst: Wie hat es deinen Alltag verändert? Ich freue mich über eure Gedanken.
Ich wünsche dir eine schöne Vorweihnachtszeit, und vielleicht ist so ein Bullet Journal genau das Richtige für dich. Entweder du schenkst es dir selber oder du lässt es dir schenken.
Wir lesen uns im nächsten Jahr wieder. Denn ich bin ziemlich beschäftigt mit dem Vorbereiten auf meine nächste Buchveröffentlichung, die für Januar geplant ist.
Liebe Grüße aus Frankreich
Verena
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