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Henri IV und das Sonntagshuhn

Das legendäre Sonntagshuhn in Frankreich (Poule au Pot)

Henri IV – Krieger und Friedensstifter,  Liebhaber und begeisterter Vater. Frankreich liebt bis heute seinen “guten König”, der am 14. Mai 1610 in Paris ermordet wurde.

In der Tat bescherte er Frankreich von 1594, dem Jahr seines Einzugs in Paris, bis 1610, dem Jahr seiner Ermordung, eine Ära des inneren Friedens. Eine Zeit, in der die Bauern ihre Äcker ohne Furcht bestellen konnten, dass die reifende Ernte morgen von dem einen oder anderen Heerhaufen in den Boden gestampft würde. Eine Schonfrist in der das Handwerk wieder gedieh, die Städte nicht mehr den Plünderungen durch die katholische oder die protestantische Soldateska preisgegeben waren. Eine Zeit des aufblühenden Wohlstandes, in der sich Geld genug in den Kassen des Königs sammelte, um im Lande Brücken und Straßen, in Paris den Pont Neuf und den Louvre zu bauen, um neue Industrien zu gründen. So konnten sich in den letzten Jahren seiner Herrschaft auch die Franzosen der unteren Stände Sonntags das Huhn im Topf leisten, das er ihnen versprochen hatte. (Quelle Zeit-Online)

Vor allem in ländlichen Gegenden

hat sich diese Tradition bis heute erhalten. Allerdings wird es nicht mehr im Kamin (Cheminée) über dem offenen Feuer gekocht, sondern auf dem Gasherd.

Einmal habe ich mich an die Zubereitung gewagt. Sie ist ziemlich aufwändig und so habe ich kurzerhand Freunde und Nachbarn dazu eingeladen, denn für zwei Personen lohnt sich der Aufwand nicht. Ganz abgesehen davon, dass zwei Personen sehr wahrscheinlich eine Woche an diesem Gericht essen würden.

Es war ein fulminantes Sonntagsmahl. Zehn Leute sassen an meinem Tisch. Als erstes gab es eine Suppe mit Einlage. Danach das Huhn mit Gemüse und einer selbst gemachten Mayonnaise. Für diejenigen die noch Platz hatten, gab es einen wunderbaren reifen Camembert und als Dessert eine Nusstorte und einen Apfelkuchen. Nun, es ist nicht unbedingt eine Mahlzeit zum Abnehmen.

Vielleicht habt ihr Lust sowas mal nach zu kochen.

 

Das Rezept, das ich in einem französischen Kochbuch gefunden habe

Man nehme: Ein 1,5 kg schweres Suppenhuhn, besser wären 2,5 kg, und es muss ein Suppenhuhn sein, ein dickes, fettes und glückliches Huhn.

Die Innereien, Herzen, Leber und Magen werden gehackt und mit Rohschinken und vier Eiern vermischt. Dann kommen in Milch eingeweichtes Brot, reichlich Knoblauch, Petersilie, Muskat, Salz, Pfeffer und ein guter Schuss Armagnac dazu. Diese Farce füllt man in das Huhn und kocht es zusammen mit Gemüse wie Karotten, Kartoffeln, Zwiebeln, Navets, Lauch und Kohl, mindestens drei, besser wären vier Stunden in einem großen Topf.

Wenn das Huhn weich ist, wird es tranchiert, auf einer Platte angerichtet und mit dem Gemüse garniert. Wenn man möchte, kann eine Tomatensauce oder auch Mayonnaise dazu gereicht werden.

Die Suppenhuhn-Bouillon wird aufgekocht und mit einer Suppeneinlage etwas eingedickt. Diese Suppe ersetzt das traditionelle französische Entreé, das sehr oft aus Paté oder Charcuterie besteht. Das wäre aber dann in diesem Fall zuviel des Guten.

Die jungen Französinnen die ich gefragt habe,

haben mir bestätigt, dass bei ihren Großeltern oder Großtanten noch heute jeden Sonntag ein Huhn auf den Tisch kommt. Nicht unbedingt ein ‘Poule au pot’, aber ein Huhn muss es sein.

Falls ihr es auch einmal versuchen wollt, und die Arbeit nicht scheut, das Huhn im Topf schmeckt fantastisch. Ich habe es noch zweimal zubereitet, und meine Gäste waren jedesmal begeistert. Als Vorspeise habe ich eine leichte Suppe gereicht und den Käse habe ich weggelassen, es gab danach nur noch einen kleinen Nachtisch. Die Gäste sind deswegen nicht hungrig vom Tisch aufgestanden.

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