Präsidentschaft-Wahl in Frankreich

Louvre Paris

Wie ich als Ausländerin die Wahlen in Frankreich erlebte

Ich habe damals, im Jahr 2004, als ich nach Frankreich ausgewandert bin, geschworen, dass ich hier nie politisiere. Ich bin Gast hier und deshalb wird Politik bei mir am Küchentisch gemacht. Und ich habe das so gehalten. Weder in den Sozialen Medien, noch hier auf meinem Blog habe mich dazu geäussert. Bis gestern, als ich auf meiner Facebook-Seite zum Wahlsieg von Emmanuel Macron geschrieben habe: Mir sind soeben ganz viele Steine vom Herzen gefallen.

Keine Angst, ich überhäufe euch jetzt nicht mit Zahlen und Fakten, die könnt ihr in den Medien bis ins letzte Detail nachlesen.

Ich wohne auf dem Land

und da ticken die Uhren und auch die Menschen anders, als in der Stadt. Politik wird beim abendlichen Pastis in der Beiz gemacht. Oder beim Boule spielen, beim Metzger, im Tante-Emma-Laden oder im Tabak-Laden

Macron hat bei diesen Diskussionen nicht gut abgeschnitten. Aber nicht erst seit heute, schon lange, schon kurz nachdem er das erste Mal gewählt worden ist. Er wird als hochnäsig, überheblich empfunden. Er schaut auf die Landbevölkerung herab! Er hat uns vergessen! Ich höre solche Aussagen oft, wenn ich mich im Dorf mit meinen Mitbewohnern unterhalte. Und ganz unrecht haben sie nicht.

Sein Wahlkampf

Zuerst hat er sich lange nicht dazu geäussert, ob er nochmals antritt oder nicht. Obwohl er in den Sozialen Medien, wie Instagram und Facebook sehr präsent war (wahlkampfmässig). Und dann, als er mit einem Brief die Menschen über seine Kanditatur informierte, hat er in der Arena “La Defense” in Paris eine Supershow hingelegt, das war schon etwas überheblich. Keine Debatte mit den anderen Kandidaten. Keine Fernsehduelle. Das wollen die Menschen sehen.

Die Landbevölkerung hat generell eine leichte Abneigung hat, gegen alles was aus Paris kommt. Die Pariser, die im Sommer das Land wie Heuschrecken überfallen, und sich dabei benehmen, als ob ihnen alles gehöre, die sind gar nicht gerne gesehen. Obwohl, sie Geld in die Regionen bringen.

Das hat seinen Konkurrenten, ganz besonders Le Pen geholfen.

Sie hat in der “Menge gebadet”, hat Hände geschüttelt, mit den Menschen gesprochen, hat ihnen zugehört. Und genau das hat ihr viele Stimmen gebracht.

Erst nach dem ersten Wahldurchgang

als die Differenz zwischen ihm und Le Pen ziemlich knapp war, hat sich Emmanuel Macron darauf besonnen und gemerkt, dass er von seinem hohen Ross heruntersteigen muss. Ihr müsst mich recht verstehen, ich bin sehr dankbar, dass er die Schlacht gewonnen hat. Ich hätte mich nie anfreunden können, in einem “Rechtsstaat” zu leben.

Macron hat schlussendlich Frankreich vorangebracht

Er hat die Wirtschaft angekurbelt, die Arbeitslosigkeit gesenkt und die Sozialleistungen verbessert. Er hat das Land gut durch die Pandemie geführt, hat sich im Ukraine-Krieg für einen Dialog stark gemacht und durch ihn ist Europa mehr zusammengewachsen. Die Europapolitik kommt für die Menschen auf dem Land erst an dritter Stelle.

Ich hoffe, dass ihm gelingt, was er gestern um 21 Uhr gesagt hat:

“Diese neue Ära wird nicht die Kontinuität der zu Ende gehenden fünf Regierungsjahre sein. Wir werden anspruchsvoll und ehrgeizig sein müssen. Wir haben so viel zu tun, und der Krieg in der Ukraine ist da, um uns daran zu erinnern, dass wir uns in tragischen Zeiten befinden, in denen Frankreich seinen Weg finden muss.”

t-online

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