Mein Sauerbraten Debüt

Ich bin eine leidlich gute Köchin, und koch auch gerne. Allerdings, meine Gerichte erreichen nie diese Höhenflüge, wie die in den Sternenküchen. Wenn ich Gäste einlade, dann liebe ich es, Eintöpfe oder Braten zu kochen. Die kann ich vorbereiten und habe dann genügend Zeit, mich meinen Gästen zu widmen.

Sauerbraten, das war das Stichwort für eine Einladung mit deutschen Freunden. Den habe ich zwar noch nie zubereitet, aber so schwer kann das ja nun auch nicht sein. Fleisch kaufen, in Essig und Wasser einlegen, die Gewürze zugeben und marinieren. Mindestens zwei Tage, so die entsprechenden Kochrezepte.

Gedacht, getan. Der Besuch beim Metzger erwies sich als die erste Hürde. Sauerbraten ist nämlich in der Dordogne nicht bekannt. Ich habe ihn nach einem Fleischstück für ‘Rôti de boeuf mariné’ gefragt. Er holte ein wunderschönes Bratenstück aus der Kühlkammer und ich nickte begeistert. Ohne Fett, wunderbar rosa lag es vor mir.

Zu Hause präparierte ich den Braten nach Vorschrift und lagerte ihn zwei Tage in der Marinade. Er muss lange schmurgeln, so das Rezept. Also ließ ich ihn auf kleinstem Feuer, zusammen mit der Marinade, lange schmurgeln.

Die Gäste trudelten ein. Der Braten schmurgelte immer noch. Der Tisch war gedeckt, das Tafelsilber glänzte. Der Apéro zog sich. Es gibt ja immer viel zu erzählen, besonders wenn man sich über eine längere Zeit nicht gesehen hat. Der Braten schmurgelte weiter.

Nach der Vorspeise eilte ich in die Küche. Als ich den Deckel anhob, wähnte ich mich in einer Essigmanufaktur. Ich legte den Braten auf einen Teller und schmeckte die Sauce ab. Das Saure hielt sich hartnäckig. Vielleicht musste das ja so sein, meine Mutter hat nie Sauerbraten gekocht. Nun noch schnell das Fleisch in Tranchen schneiden! Es war eher ein Säbeln denn ein Schneiden. Schuhsohlen sind weicher.

Wir haben den Hauptgang dann übersprungen und sind direkt zum Käse und zum Dessert übergegangen.

Ich werde mich ganz sicher nochmals an einem Sauerbraten versuchen, dann aber mit dem richtigen Fleischstück und ohne Gäste.

Das nächste Mal erzähle ich euch, welche deftigen Gerichte die Franzosen lieben. Der deutsche Sauerbraten ist dagegen ein Schlankheitsmenue.

 

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Autor: Verena

Schreiben ist eine köstliche Sache, nicht mehr sich selbst zu sein, sich aber in einem Universum zu bewegen, das man selbst geschaffen hat. (Gustave Flaubert)

2 Gedanken zu „Mein Sauerbraten Debüt“

  1. Ich weiß ja nicht, wo das Rezept her war …

    Ich bin aus Baden und koche seit knapp 40 Jahren Sauerbraten. Und ich würde das Fleisch nie in Essigwasser einlegen. Kräftiger Rotwein und z.B. Rotweinessig – auf 1 Ltr. Rotwein nehme ich 0,25 Ltr. Essig. Mit Suppengemüse und Gewürzen aufkochen, heiß über den Braten geben und -bei mir jedenfalls – mindestens 5 Tage ziehen lassen.
    Rausnehmen, abtupfen, rundum scharf anbraten (in ausgelassenem Speck) und dann auf kleiner Flamme mindestens 3 Stunden schmurgeln, gerne auch länger.
    Die Soße abgießen, abschmecken (bisschen Zucker oder Honig), binden … etwas Sahne dran.
    Schmeckt.

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