Verena Dahms Autorenseite

Am Anfang war ein Weingut

 

Ich habe euch versprochen, etwas über meinen neuen Roman, an dem ich arbeite zu erzählen.

Dieses Mal sind es keine Personen die mich inspiriert haben, dieses Mal ist es ein Weingut. Ein Weingut, das nicht weit von mir, einsam, oberhalb von meinem Dorf ein, ein jämmerliches Leben führt. Verlottert, mit blinden Fenstern, sofern diese blinden Scheiben noch Fenster genannt werden können. Das Gras kniehoch, die Dachschindeln durch den Regen aufgeweicht, die Holztüren schief mit angefressenem Holz. Nur die geschwungene Eingangstreppe, die auf die Terrasse führt, lässt noch etwas von der früheren Pracht erkennen.

Die Terrasse gibt einen fantastischen Blick durch hohe Pappeln aufs Tal frei. Sanft geschwungen liegt es dem Weingut zu Füßen. Es gibt Weinberge, die links und rechts des Gutes auch heute noch bearbeitet werden. Die Trauben, ja, ich habe genascht, sind prall und zuckersüß.

Ich setze mich auf die Treppenstufe, blicke ins Tal und mit meinen Gedanken fülle ich das Gut mit Leben. Der Schlossherr, seine Frau, eine Adelige aus Paris, drei Kinder – nein eher Jugendliche. Die Köchin, die Leib und Seele der Familie mit ihren köstlichen Gerichten zusammenhält. Ein Gutsverwalter muss auch noch her. Dann Leute aus dem Dorf. Die Waschweiber die die Wäsche zum Bleichen auf der Wiese ausbreiten. Die Erntehelfer, unten in Siedlungshäusern an der Isle wohnen. Der Doktor, der Pfarrer und der dicke Apotheker vom Nachbardorf. Ein buntes Kaleidoskop.

Der Plot und die Figurenbiografien stehen. Wobei bei Letzterem ich immer noch einiges offen lasse. Die Figuren entwickeln sich auch mit meiner Arbeit am Manuskript. Ich lasse ihnen einiges an Freiheit. Nur wenn sie Unmögliches von mir verlangen, dann pfeife ich sie zurück.

Aktueller Stand: 39 950 Wörter und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

 

 


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Schreiben ist eine köstliche Sache, nicht mehr sich selbst zu sein, sich aber in einem Universum zu bewegen, das man selbst geschaffen hat. (Gustave Flaubert)

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