Aus meinem Schreibtagebuch

Ich habe euch ja versprochen, ab und zu auch über meinen Schreiballtag zu berichten, obwohl, so spannend ist so ein Tag auch wieder nicht. Doch heute bin ich in Laune.

Mein Romanmanuskript geht recht flott voran. Meine Protagonistin macht das, was ich will, sie tanzt also noch nicht aus der Reihe. Das macht mich etwas stutzig, denn sie ist im Grunde genommen eine sehr selbstbewusste Person.

Doch …, da tauchen plötzlich zwei junge Frauen auf, die ich in meinem Kapiteltreatment nicht eingeplant hatte. Nun gut, die beiden passen in die Geschichte, und deshalb gebe ich ihnen auch die Gelegenheit, darin mitzuspielen. Für eine kurze Zeit, jedenfalls.

Und dann, und jetzt wird es spannend, entwickelt sich zwischen meiner Protagonistin und zwei Männern, plötzlich so etwas, na ich weiß nicht, es soll ja keine Liebesgeschichte werden.

Was mach ich jetzt? Den einen rausschmeissen, den anderen lassen –  oder einfach mal beide in die Story mit einbeziehen? Hm!

Wie soll mein Kapitelübergang nun sein? Erzählte Zeit oder Erzählzeit? Rückblende? Innerer Monolog …? Im Moment hänge ich.

Aber ich verspreche euch, ich werd den “Knoten” lösen und wieder berichten.

Paris …

… mal wieder. Ab und zu muss ich das einfach tun, nach Paris fahren. Ab und zu brauche ich die Hektik dieser Stadt, mit ihren 7 Millionen oder mehr Menschen um mich herum. Natürlich treffe ich nicht alle, aber doch ganz schön viele, ich habe sie aber noch nie gezählt.

Ich setze mich also in den TGV, das ist einer von diesen Hochgeschwindigkeitszügen, der mich in knapp drei Stunden in die “Stadt der Liebe” bringt. ‘Bienvenue Montparnasse’, so nennt sich der Bahnhof, und wenn man aus der Halle tritt, ist man sofort mitten im Gewühl.

Mein Hotel liegt nur einen kurzen Fußmarsch entfernt. Ich bringe mein Zweitage Gepäck auf mein Zimmer, und dann geht es los, nach unten auf die Straße. Bummeln, schauen, riechen. Einen Kaffee in einem der unzähligen Bistros, und wieder schauen. Es gibt so viel zu sehen, ich spreche jetzt nicht von Museen, Kirchen oder sonstigen Monumenten, ich spreche von Menschen. Menschen mit all ihren Schattierungen. Sie sitzen, so wie ich, im Bistro und diskutieren, mit ihren Händen, mit ihrer Mimik. Ich brauche nicht zu verstehen, was sie sagen, ich muss nur zuschauen, es ist wie früher im Stummfilm, und ich erlebe ein Kopfkino vom Feinsten. Danach geht es weiter, bis ich spät Nachts müde ins Bett falle.

Den zweite Tag habe ich dazu benutzt, nochmals auf den Spuren von meiner Protagonistin Isabelle aus meinem Roman “Fremdes Kind” zu wandeln. Sie hat, bevor sie sich in die Normandie absetzte, einige Zeit in Paris gelebt, und es war ein absolut tolles Gefühl, das Hotel, in dem sie für kurze Zeit wohnte, das Restaurant, in dem sie Serge kennen lernte, und noch einiges mehr, wieder aufleben zu lassen.

Natürlich habe ich auch einige der Prachtstraßen besucht, bin an der Seine entlang gebummelt, und war auch wieder einmal am Strawinsky Brunnen, das gehört zu einem Parisbesuch. so  wie auch der Eiffelturm, die Sacré Coeur und noch vieles mehr.

Es sind drei wunderschöne und sonnige Herbsttage gewesen, und ich werde ganz bestimmt bald wieder hinfahren.

Zum Schluss noch eine kleine Szene, die ich euch nicht vorenthalten will:

Fragt mich doch eine Verkäuferin in einem Geschäft, wo ich denn wohne? “In der Dordogne”, antworte ich, darauf sie: “Ist das auch noch Frankreich?”

‘Perlen’ kann man auch auf dem Land finden…

…man muss nur suchen.

Als ich den Plot für mein neues Projekt meiner ehemaligen Studienleiterin gezeigt hatte, fragte sie, ob ich denn etwas vom Malen verstehen würde. Ich musste passen,  denn gemalt hatte ich seit meiner Kindergartenzeit nicht mehr. “Das müssest du aber”, war ihre Antwort gewesen.

Soll ich jetzt, neben dem Schreiben auch noch mit Malen beginnen? Das Schreiben nimmt doch eh schon so viel von meiner Zeit in Anspruch?

Doch dann hat mich der ‘Hafer’ gestochen. Warum nicht? Ich bin ja immer offen, Neues zu entdecken.

Also habe ich mir die notwendigen Utensilien zugelegt und angefangen. Die ersten Versuche sahen … hm …, da schweigt des Sängers Höflichkeit.

Aber nach weiteren Versuchen kam ich immer mehr in Fahrt. Das Mischen der Farben, die Arbeit mit dem Pinsel auf der Leinwand, ich hatte echte ‘Wow’ Erlebnisse.

Und trotzdem fehlte mir etwas. Nein, nicht der Applaus der Zuschauer, sondern die Anleitung von einem Profi.

Wo um Himmels Willen sollte ich denn so etwas auf dem Land finden?

Durch einen guten Freund, der dem gleichen Hobby frönt, wurde ich fündig.

In einem Dorf, nicht weit von mir, treffen sich jeden Monat Malbegeisterte. Es ist kein Malkurs im herkömmlichen Sinn, sondern jeder malt, was er gerne möchte. Landschaften, röhrende Hirsche, lächelnde Katzen, Naives, Modernes, man malt was Spaß macht. Aber … und das ist das Tolle, Bernard, ein Kunstmaler, der unsere Aktivitäten still beobachtet,  ist zur Stelle, wenn es mal hakt, wenn man nicht weiß, wie man anfangen oder weiterfahren soll. Wenn der Farbklecks zu aufdringlich wirkt, wenn die Farbmischung nicht so geworden ist wie man es gerne gehabt hätte, dann hilft er uns mit seinem Können weiter.

Wie habe ich gestaunt, als vor ein paar Wochen die Kunstwerke der Gruppe der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Da gab es wirkliche ‘Perlen’ zu sehen.

Jetzt wollt ihr wahrscheinlich noch  wissen, weshalb ich Malkenntnisse für mein neues Projekt brauche?

Kurz gesagt, meine Protagonistin in meinem Projekt,  ist eine Kunstmalerin, deshalb.