Frei nach Mario Simmel: es muss nicht immer Kaviar sein


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Seid ihr gut ins 2019 gerutscht? Mit Häppchen oder einem feinen Essen? Bei mir waren es Häppchen, Fingerfood in Neudeutsch, und um Mitternacht gab es Champagner.

Nun hat mich der Januar wieder. Ein trüber Monat und ein langer noch dazu. Der Garten schaut traurig aus, der Himmel auch. In den Städten finden im Januar meistens die großen Ballabende statt, oder Vorbereitungen auf den kommenden Karneval. Auf dem Land ist tote Hose. Um in diese ‘Tote Hose’ etwas Abwechslung zu bringen, wird man bei Freunden und Bekannten reihum zum Essen, zum Apéro oder zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Eine gute Idee, diesen trüben Monat etwas zu verkürzen.

Eines Nachts, das war vor sieben Jahren, hatte ich eine Vision. Das nächste Mal wenn ich an der Reihe bin, dann gibt es was richtig Einfaches, ohne den ganzen Schnickschnack drumherum:

sondern nur ein Teller Suppe

Die Einladungen waren schnell geschrieben, von der Suppe habe ich nichts gesagt. Fünfundzwanzig Leute bekamen die Aufforderung, mit viel Hunger und guter Laune um neunzehn Uhr im Le Billat zu erscheinen.

Zum Glück habe ich eine große Küche und ein ebenso großes Esszimmer. Also kein Problem, fünfundzwanzig Leute zu verköstigen.

Etwas mulmig war mir schon zu Mute, als ich zusammen mit meinem Lebenspartner die Gulasch- und die Erbsensuppe vorbereitete. Wie werden unsere Gäste dieses einfache Mal aufnehmen. Ein Teller Suppe, ein Stück Brot und ein Glas Wein. Wie wird dieses Zurück zur Einfachheit goutiert? Entweder sie werden uns nie mehr besuchen, oder …!

Und dann kamen sie. Alle fünfundzwanzig. Einer nach dem anderen. Und sie blieben. Alle. Trotz Selfservice. Trotz Einfachheit. Oder vielleicht gerade deswegen.

Und seitdem ist mein Suppenjanuar schon fast so etwas wie Tradition geworden. Probiert es doch einfach auch einmal. Einfachheit kann so schön sein.

Ich wünsche euch nun noch ein tolles, erfolgreiches und glückliches 2019. Mögen alle eure Wünsche in Erfüllung gehen.



Ein kunterbuntes Potpourri

Seit meinem letzten Blogeintrag sind einige Wochen vergangen. Heute nun werde ich euch ein bisschen über diese Wochen erzählen. Ein kunterbuntes Potpourri.

Im Oktober war ich in Wien. Wieder einmal. Ich liebe Wien. Doch dieses Mal war kein Sightseeing angesagt, nein harte Arbeit wurde mir gesagt, als ich mich bei meiner Lektorin zum Autoren-Campus angemeldet hatte. Sechs Autorinnen, die ich noch nicht persönlich kannte, waren ebenfalls angemeldet. “Wir werden plotten, Figuren entwickeln, uns über die Abläufe und die roten Faden unterhalten. Über Blockaden die während des Schreibens entstehen”, hatte sie geschrieben. Allen, nicht nur mir.

Mit einem Exposé im Koffer, ein Exposé das ich zuvor noch schnell aus dem Ärmel geschüttelt hatte, reiste ich nach Wien. Nachtrag: Meistens gehe ich wochenlang mit einer Geschichte schwanger, bevor ich mich an das Exposé-Schreiben wage.

Die Begrüßung am Donnerstagabend in Elsa Rieger’s Küche war zuerst etwas verhalten, klar man musste sich erst beschnuppern. Victoria Suffrage hatte zu Hause Lammkeulen vorbereitet, die nun auf dem Herd dem Ende entgegen schmorten. Der Zweigelt (ein österreichischer Rotwein) lockerte bald die Zungen. Es wurde gelacht, gealbert und geneckt. Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, als ich irgendwann in meinen Schlafsack schlüpfte.

Nachtrag: die Lammkeulen schmeckten ausgezeichnet, ebenso die grünen Bohnen. Chapeau, liebe Victoria.

Über die kommenden Tage will ich euch jetzt nicht mit öden Details langweilen. Ich kann nur eins Eins sagen, trotz intensiver und harter Arbeit ist uns das Lachen nicht vergangen. Am Ende des Campus, hatte ich einen kompletten Plot im Koffer und neue Autorenfreundinnen gewonnen.

 

Wieder zu Hause war Schreiben angesagt. Mein Projekt schrie förmlich nach mir. Schreibtischarbeit! Ich wollte noch vor der BuchBerlin, die Ende November anstand, das Wort ‘Ende’ unter das Manuskript schreiben. Denn noch nie hat mich eine Geschichte so unter Strom gesetzt. Leider hat es nicht mehr ganz gereicht.

Und dann kam die BuchBerlin.

Schon lange hatte ich sie zusammen mit Steffi Krumbiegel und Sarah Baines geplant. Ein herzliches Dankeschön an Steffi Krumbiegel, die meine Bücher von München nach Berlin transportierte. Im Flugzeug hätte mein Koffer wohl ein nicht bezahlbares Übergewicht gehabt. Voller Enthusiasmus reiste ich also nach Berlin. Ich kannte die Messe bereits vom vorigen Jahr, allerdings nur als Besucherin.

So bunt wie unsere Tischdecken waren auch die Bücher die darauf lagen.  Fantasy, Dark Romance und Frauenromane lockten viele Besucher an unseren Tisch. Ebenso bunt war auch der Austausch mit Leserinnen  und Blogger. Die direkten Gespräche, über die Hintergründe und die Entstehung von meinen Geschichten zu erzählen, war für mich eine ganz neue Erfahrung.

Einige Autoren, die ich bislang nur von Facebook kannte, habe persönlich kennengelernt und mit anderen ein Wiedersehen gefeiert. Es war eine herzliche Stimmung, eine tolle Community.

Ich bin echt am Überlegen, im nächsten Jahr wieder hinzufahren. Ganz besonders deshalb, weil mein Roman, der im 2019 veröffentlicht wird in Berlin spielt.

Das Magische Wort ‘Ende’ habe ich übrigens nach der BuchBerlin, ganz genau am 1. Advent, unter mein Manuskript geschrieben.

Nun wünsche ich Euch schöne Adventstage und frohe Weihnachten. Wir lesen uns im Januar 2019 wieder.

 

 

Die Rohfassung – Gut Buch will Weile haben

Der Weg bis zum Ende eines Romanes  ist einsam und mit Wurzeln übersät.

Geschichten schreiben hat für mich eine ganz besondere Faszination. Ich sehe ein verlassenes Haus, ein Baum der allein mitten in einem Feld steht, die Frau auf dem Markt, die prüfend einen Kohlkopf in die Hand nimmt. Ich könnte noch mehr Beispiele aufzählen. Aus diesen ‘Schnappschüssen’ entsteht die erste Idee zu einer Geschichte.  Ich suche zu dieser Idee drei bis vier Schlagworte. Bei der letzten Geschichte waren das : Lila High Heels, einsame Standesbeamtin, Berghütte. Es folgen die Figuren. Zuerst nur die Protagonistin oder der Protagonist. Denen gebe ich ganz schnell einen Namen, z.B. Heike, Claire, Jeanette oder Marianne. Mit den Namen bekommen sie das erste Fleisch auf die Rippen. Figuren die mich begleiten werden. Figuren die lachen, manchmal streiten oder missmutig sind.

Wenn das alles steht, überlege ich, was ich erzählen will.  Ein Plot (Ablauf) muss her.

Ich schreibe zuerst einmal alle Gedanken, Blitzideen, einfach was mir während des Tages in den Sinn kommt, in eine Kladde. Nicht geordnet sondern wild durcheinander. Daraus bastle ich die Geschichte. Ja, ihr habt recht gelesen, ‘bastle’. Ich überlege wer ist der Gegenspieler zu meiner Heike, Claire, Jeanette oder Marianne? Wo will er oder sie ihr Steine in Weg legen? Denn ihr seid sicher mit mir einverstanden, eine Geschichte ohne Konflikte ist nicht spannend? Und Konflikte kommen nicht nur in Krimis oder Thriller vor, sondern auch in Liebesromanen, oder nicht?

Der Plot steht, ich weiß wohin ich will. Die Namen der Figuren kenne ich auch. Ich weiß an welchem Ort oder welchen Orten die Geschichte spielt und ich habe mir auch bereits Gedanken gemacht, wieviele Seiten mein Roman haben soll.

Anschließend  schreibe ich die Figurenbiografien. Wo kommen sie her, was sind ihre Sorgen, Nöte, Ängste? Welche Macken haben sie? Wie sehen sie aus? Wie kleiden sie sich? Sind sie irgendwo besonders geschickt? Auch hier lasse ich mir wieder Zeit und ergänze die Biografie nach und nach.

Und wenn das alles steht, schreibe ich eine Kapitelabfolge, d.h. ich schreibe für jedes Kapitel den ersten Satz in meine Kladde. Und erst danach beginne ich mit der Rohfassung. Während dieser Zeit sitze ich zwischen zwei bis fünf Stunden am Computer und ich lasse mich dabei ganz auf meine Figuren ein.

Dieser Moment, wenn die erste Fassung von meinem gesamten Roman auf dem Tisch liegt, hat etwas  Magisches. Ich habe eine wichtige Reise vollendet.

Wie geht es danach weiter? Ich verabschiede mich gedanklich von meinen Figuren, von meinem Roman. Lass ihn liegen. Ein Monat, zwei Monate. Ich brauche Abstand bevor ich mit der Überarbeitung beginne. Wie ich dabei vorgehe, das erzähle ich euch ein anderes Mal.

Eine Handvoll grau und getigert

 

Anfangs Juni ist Isabelle, meine heiss geliebte Katze, gestorben. Sie war schwer krank, Diabetes. Ich musste sie einschläfern lassen, zu sehr hatte sie zum Schluss gelitten. Und ich habe mir immer geschworen, dass ein Tier, das bei mir lebt, nicht leiden muss.

Rotzfrech ist sie damals vor dreizehn Jahren in meine Küche marschiert, hat sich an Chiccos (meine andere Katze) Fressnapf gütlich getan, hat sich danach auf Chiccos Schlafplatz gelegt und frech in die Gegend geschaut. Wir haben zusammen geschmust, aber nur wenn sie wollte. Wir haben zusammen gelesen, das heißt sie hat mit dem Lesebändchen gespielt und ab und zu mit dem Kopf an das Buch gestoßen, was hieß: nun streichle mich mal. Es waren schöne Jahre gewesen.

Seit drei Wochen wohnt nun eine Handvoll grau, getigert und quick lebendig in meinem Haus. Ich war in der SPA, das ist eine Vereinigung in Bergerac die sich um ausgesetzte Tiere kümmert. Mein Herz floss über, als ich den Raum in dem die jungen Katzen untergebracht waren, betrat. Geschätzt fünfzehn Kätzchen waren es. Sie spielten rangelten oder räkelten sich in ihren Körbchen. Am liebsten hätte ich sie alle eingepackt und mitgenommen. Am Ende habe ich mich entschieden, für die Kleinste. Ganze 700 Gramm, gefunden am Straßenrand, so die Tierpflegerin.

Mir kommt immer noch die Galle hoch, wenn ich daran denke, wie man wehrlose Tiere einfach so aussetzen kann. Was müssen das für Menschen sein?

Nun, Felina – die Glücksbringerin, hat sich erstaunlich schnell eingelebt. Eine Stunde, wo sie etwas ängstlich um sich geschaut hat, dann war sie angekommen und hat gezeigt, was sie alles kann. Zum Beispiel an Vorhängen hochklettern um die Fliegen ganz oben versuchen zu fangen. Oder der Chicco hinterher zu jagen. Die gesetzte Dame hat zu Anfang zuerst entsetzt geguckt und geknurrt und es gab auch schon mal einen kleinen Hieb mit der Pfote, wenn der Jungspund zu übermütig wurde.

Mittlerweile gewöhnen sich die beiden langsam aneinander. Die Liebe ist noch nicht so tief, doch ich bin guten Mutes, dass sie zueinander finden. Die ersten Anzeichen sind vorhanden.

 

 

 

 

 

 

 

Die Sinnlichkeit eines Buches

Liebt ihr Bücher? Ich meine so richtig schöne Bücher wo beim Umblättern die Seiten leise rascheln? Es ist etwas Sinnliches, so ein Buch in den Händen zu halten, nicht wahr.  Auch das Cover und die Rückseite des Umschlags schaut auf einem Buch ganz anders aus als auf einem eBook.

Ich besitze zwar auch einen E-Reader, denn praktisch sind sie schon. Unendlich viele Bücher haben darauf Platz. Keine Schlepperei wenn ich in die Ferien fahre. Besonders mit dem Flugzeug macht sich das bemerkbar.

Auch wenn ich im Bett lese, ist ein eBook eine tolle Sache. Leicht und handlich, mit Hintergrundlicht, kann ich bis in die Puppen lesen. Kein dicker Schmöker, der mir aufs Gesicht fällt, weil meine Arme irgendwann nach Stunden einmal lahm werden. Keine zu kleinen oder zu schwach gedruckten Buchstaben, weil ich die nach meinen Bedürfnissen einstellen kann.

Aber ich wollte mit euch ja über Bücher reden. Die Bücher die so haptisch sind und die aber so viel Platz einnehmen, bei mir jedenfalls. Früher, als ich noch im deutschsprachigen Raum wohnte, habe ich bei jedem Stadtbummel noch schnell bei meiner Lieblingsbuchhhandlung reingeschaut. Klein war sie und fein sortiert. Meistens habe ich den Laden nicht unter fünf Büchern verlassen.

Heute ist die Versuchung nicht groß. Nicht, dass es in Frankreich keine Buchhandlungen gäbe, aber dort wo ich wohne herrscht in dieser Beziehung gähnende Leere. Klar, in einem 800-Seelendorf.

Doch ich komme auch hier zu gedruckten Büchern. Dank Internet und Buchplattformen (davon gibt es in der Zwischenzeit so viele, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann). Nur, der Effekt des Schmökerns geht dabei etwas verloren. Das rascheln Seiten beim Umblättern fehlt und ich bestelle die Bücher viel gezielter. Das tut meinem Büchergestell gut, was  auf dem Foto leicht zu erkennen ist.

Meinen neuen Roman, der vor kurzem das Licht der Welt erblickt hat, gibt es in zwei Formaten. Das haptische Buch für gemütliche Lesestunden im Ohrensessel und das Elektronische für die Liebhaberinnen die überall lesen wollen.

Ich lese zur Zeit in einem Papierbuch, welches ich mir vor einer Woche in Düsseldorf gekauft habe. Ich kann, wenn ich in einer deutschsprachigen Stadt bin, unmöglich an einer Buchhandlung vorbeigehen ohne sie zu betreten. Leider konnte ich nur ein Buch kaufen. In den Regalen standen noch viele, die ich gerne mitgenommen hätte. Aber das Übergewicht, nicht meins, sondern das von meinem Koffer, hat mich davon abgehalten noch weitere Bücher zu kaufen. Übergewicht wird ziemlich teuer. Das war es mir dann doch nicht wert.

Tredition