Die Rohfassung – Gut Buch will Weile haben

Der Weg bis zum Ende eines Romanes  ist einsam und mit Wurzeln übersät.

Geschichten schreiben hat für mich eine ganz besondere Faszination. Ich sehe ein verlassenes Haus, ein Baum der allein mitten in einem Feld steht, die Frau auf dem Markt, die prüfend einen Kohlkopf in die Hand nimmt. Ich könnte noch mehr Beispiele aufzählen. Aus diesen ‘Schnappschüssen’ entsteht die erste Idee zu einer Geschichte.  Ich suche zu dieser Idee drei bis vier Schlagworte. Bei der letzten Geschichte waren das : Lila High Heels, einsame Standesbeamtin, Berghütte. Es folgen die Figuren. Zuerst nur die Protagonistin oder der Protagonist. Denen gebe ich ganz schnell einen Namen, z.B. Heike, Claire, Jeanette oder Marianne. Mit den Namen bekommen sie das erste Fleisch auf die Rippen. Figuren die mich begleiten werden. Figuren die lachen, manchmal streiten oder missmutig sind.

Wenn das alles steht, überlege ich, was ich erzählen will.  Ein Plot (Ablauf) muss her.

Ich schreibe zuerst einmal alle Gedanken, Blitzideen, einfach was mir während des Tages in den Sinn kommt, in eine Kladde. Nicht geordnet sondern wild durcheinander. Daraus bastle ich die Geschichte. Ja, ihr habt recht gelesen, ‘bastle’. Ich überlege wer ist der Gegenspieler zu meiner Heike, Claire, Jeanette oder Marianne? Wo will er oder sie ihr Steine in Weg legen? Denn ihr seid sicher mit mir einverstanden, eine Geschichte ohne Konflikte ist nicht spannend? Und Konflikte kommen nicht nur in Krimis oder Thriller vor, sondern auch in Liebesromanen, oder nicht?

Der Plot steht, ich weiß wohin ich will. Die Namen der Figuren kenne ich auch. Ich weiß an welchem Ort oder welchen Orten die Geschichte spielt und ich habe mir auch bereits Gedanken gemacht, wieviele Seiten mein Roman haben soll.

Anschließend  schreibe ich die Figurenbiografien. Wo kommen sie her, was sind ihre Sorgen, Nöte, Ängste? Welche Macken haben sie? Wie sehen sie aus? Wie kleiden sie sich? Sind sie irgendwo besonders geschickt? Auch hier lasse ich mir wieder Zeit und ergänze die Biografie nach und nach.

Und wenn das alles steht, schreibe ich eine Kapitelabfolge, d.h. ich schreibe für jedes Kapitel den ersten Satz in meine Kladde. Und erst danach beginne ich mit der Rohfassung. Während dieser Zeit sitze ich zwischen zwei bis fünf Stunden am Computer und ich lasse mich dabei ganz auf meine Figuren ein.

Dieser Moment, wenn die erste Fassung von meinem gesamten Roman auf dem Tisch liegt, hat etwas  Magisches. Ich habe eine wichtige Reise vollendet.

Wie geht es danach weiter? Ich verabschiede mich gedanklich von meinen Figuren, von meinem Roman. Lass ihn liegen. Ein Monat, zwei Monate. Ich brauche Abstand bevor ich mit der Überarbeitung beginne. Wie ich dabei vorgehe, das erzähle ich euch ein anderes Mal.

Eine Handvoll grau und getigert

 

Anfangs Juni ist Isabelle, meine heiss geliebte Katze, gestorben. Sie war schwer krank, Diabetes. Ich musste sie einschläfern lassen, zu sehr hatte sie zum Schluss gelitten. Und ich habe mir immer geschworen, dass ein Tier, das bei mir lebt, nicht leiden muss.

Rotzfrech ist sie damals vor dreizehn Jahren in meine Küche marschiert, hat sich an Chiccos (meine andere Katze) Fressnapf gütlich getan, hat sich danach auf Chiccos Schlafplatz gelegt und frech in die Gegend geschaut. Wir haben zusammen geschmust, aber nur wenn sie wollte. Wir haben zusammen gelesen, das heißt sie hat mit dem Lesebändchen gespielt und ab und zu mit dem Kopf an das Buch gestoßen, was hieß: nun streichle mich mal. Es waren schöne Jahre gewesen.

Seit drei Wochen wohnt nun eine Handvoll grau, getigert und quick lebendig in meinem Haus. Ich war in der SPA, das ist eine Vereinigung in Bergerac die sich um ausgesetzte Tiere kümmert. Mein Herz floss über, als ich den Raum in dem die jungen Katzen untergebracht waren, betrat. Geschätzt fünfzehn Kätzchen waren es. Sie spielten rangelten oder räkelten sich in ihren Körbchen. Am liebsten hätte ich sie alle eingepackt und mitgenommen. Am Ende habe ich mich entschieden, für die Kleinste. Ganze 700 Gramm, gefunden am Straßenrand, so die Tierpflegerin.

Mir kommt immer noch die Galle hoch, wenn ich daran denke, wie man wehrlose Tiere einfach so aussetzen kann. Was müssen das für Menschen sein?

Nun, Felina – die Glücksbringerin, hat sich erstaunlich schnell eingelebt. Eine Stunde, wo sie etwas ängstlich um sich geschaut hat, dann war sie angekommen und hat gezeigt, was sie alles kann. Zum Beispiel an Vorhängen hochklettern um die Fliegen ganz oben versuchen zu fangen. Oder der Chicco hinterher zu jagen. Die gesetzte Dame hat zu Anfang zuerst entsetzt geguckt und geknurrt und es gab auch schon mal einen kleinen Hieb mit der Pfote, wenn der Jungspund zu übermütig wurde.

Mittlerweile gewöhnen sich die beiden langsam aneinander. Die Liebe ist noch nicht so tief, doch ich bin guten Mutes, dass sie zueinander finden. Die ersten Anzeichen sind vorhanden.

 

 

 

 

 

 

 

Die Sinnlichkeit eines Buches

Liebt ihr Bücher? Ich meine so richtig schöne Bücher wo beim Umblättern die Seiten leise rascheln? Es ist etwas Sinnliches, so ein Buch in den Händen zu halten, nicht wahr.  Auch das Cover und die Rückseite des Umschlags schaut auf einem Buch ganz anders aus als auf einem eBook.

Ich besitze zwar auch einen E-Reader, denn praktisch sind sie schon. Unendlich viele Bücher haben darauf Platz. Keine Schlepperei wenn ich in die Ferien fahre. Besonders mit dem Flugzeug macht sich das bemerkbar.

Auch wenn ich im Bett lese, ist ein eBook eine tolle Sache. Leicht und handlich, mit Hintergrundlicht, kann ich bis in die Puppen lesen. Kein dicker Schmöker, der mir aufs Gesicht fällt, weil meine Arme irgendwann nach Stunden einmal lahm werden. Keine zu kleinen oder zu schwach gedruckten Buchstaben, weil ich die nach meinen Bedürfnissen einstellen kann.

Aber ich wollte mit euch ja über Bücher reden. Die Bücher die so haptisch sind und die aber so viel Platz einnehmen, bei mir jedenfalls. Früher, als ich noch im deutschsprachigen Raum wohnte, habe ich bei jedem Stadtbummel noch schnell bei meiner Lieblingsbuchhhandlung reingeschaut. Klein war sie und fein sortiert. Meistens habe ich den Laden nicht unter fünf Büchern verlassen.

Heute ist die Versuchung nicht groß. Nicht, dass es in Frankreich keine Buchhandlungen gäbe, aber dort wo ich wohne herrscht in dieser Beziehung gähnende Leere. Klar, in einem 800-Seelendorf.

Doch ich komme auch hier zu gedruckten Büchern. Dank Internet und Buchplattformen (davon gibt es in der Zwischenzeit so viele, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann). Nur, der Effekt des Schmökerns geht dabei etwas verloren. Das rascheln Seiten beim Umblättern fehlt und ich bestelle die Bücher viel gezielter. Das tut meinem Büchergestell gut, was  auf dem Foto leicht zu erkennen ist.

Meinen neuen Roman, der vor kurzem das Licht der Welt erblickt hat, gibt es in zwei Formaten. Das haptische Buch für gemütliche Lesestunden im Ohrensessel und das Elektronische für die Liebhaberinnen die überall lesen wollen.

Ich lese zur Zeit in einem Papierbuch, welches ich mir vor einer Woche in Düsseldorf gekauft habe. Ich kann, wenn ich in einer deutschsprachigen Stadt bin, unmöglich an einer Buchhandlung vorbeigehen ohne sie zu betreten. Leider konnte ich nur ein Buch kaufen. In den Regalen standen noch viele, die ich gerne mitgenommen hätte. Aber das Übergewicht, nicht meins, sondern das von meinem Koffer, hat mich davon abgehalten noch weitere Bücher zu kaufen. Übergewicht wird ziemlich teuer. Das war es mir dann doch nicht wert.

Tredition

 

Mein Buchorchester

Einmal in meinem Leben will ich einen Roman schreiben, habe ich damals bevor ich in die Dordogne gezogen bin, gesagt. So wie ein Mann einmal in seinem Leben einen Sohn zeugen, ein Haus bauen und einen Baum pflanzen soll. Mein Wunsch dagegen war bescheiden: nur einen Roman. Mich ausprobieren. Figuren zum Leben erwecken und sie ihre Geschichte erzählen lassen.

Mittlerweile sind es bereits drei Romane und eine vierte Geschichte spukt bereits in meinem Kopf.

Schon nach dem ersten Roman, er war noch nicht veröffentlicht, drängte sich eine andere Geschichte nach vorne. Die durfte auch nicht unerwähnt bleiben. Und wie das so ist im Leben, es blieb nicht dabei. Die Dritte folgte auf den Fuß.

Der erste Roman habe ich über einen Kleinverlag veröffentlicht. Es gab nichts weiter zu tun, als das Manuskript abzuliefern, die Korrekturen einarbeiten. Der Rest übernahm der Verlag.

Beim Nächsten entschloss ich mich, Selfpublisherin zu werden. Ganz einfach deswegen, weil ich gemerkt habe, dass ich mit dieser Form einen direkteren und intensiveren Kontakt zu meinen LeserInnen aufbauen kann. Das ist mir wichtig.

Selfpublisher heisst auf Deutsch ‘Selbst publizieren’. Das stimmt einerseits. Ich habe alles selber in der Hand. Das heisst aber nicht, dass ich alles selber machen kann. Bewahre! Auch ich brauche ein Lektorat und Korrektorat. Eine Fachfrau für das Cover und jemanden der mir den Buchsatz macht.

Und ich darf mich glücklich schätzen, dass ich ein so tolles Team um mich habe, die mir helfen, damit mein Buch ein richtig schönes Buch wird.

Als erstes möchte ich meine Lektorin, Elsa Rieger, die ich im Facebook gefunden habe, erwähnen. In der Zwischenzeit habe ich sie persönlich kennengelernt. Sie hilft mir, mit ihren wichtigen und kreativen Beiträgen und ihrem Überblick über das Ganze, dass die Geschichte rund und geschmeidig wird. Sie ist es auch, die am Schluss meine Tipparbeit in einen schönen Buchsatz umwandelt. ‘Hurenkind’ und ‘Schusterjungen’ (Typographie-Fehler) gibt es nicht mehr. Wenn ich es selber machen würde, schon.

Meine Cover-Designerin, Irene Repp, die mir für meine Geschichten wundervolle Covers bastelt. Ihr dürft gespannt sein auf das nächste Cover. Es ist wunderschön geworden.

Meine Autorenfreundin, Enya Kummer, die sich sich spontan bereit erklärt hat, das Manuskript auf die fiesen und kleinen Fehlerteufel zu untersuchen. Nach mehrmaligem Lesen werden die Autorin und die Lektorin betriebsblind. Dazu braucht es frische Augen.

Ihr seht, ‘alles Alleine machen’ funktioniert nicht. Bei mir jedenfalls. Ich bin glücklich, dass ich diese Helferinnen gefunden habe und hoffe, dass ich euch, mit ihnen zusammen noch viele schöne Bücher für entspannende Lesestunden präsentieren kann.

Trediton

 

Von Enten und anderen Köstlichkeiten

 

Auch in Frankreich gibt es deftige Gerichte, ganz deftige sogar. Da ist ein deutscher Sauerbraten ein Schlankheitsmenü dagegen.

Confit Canard

Confit heisst eingekocht und Canard sind Enten, die in der Dordogne-Küche eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Jede Bauersfrau die etwas auf sich hält, hat nebst Hühnern und Gänsen auch Enten auf ihrem Hof. Die führen, bis sie in den Kochtopf kommen, ein glückliches Leben. Sie ernähren sich, nebst  Maiskörnern, von Käfern, Würmern und anderem Getier. Nun aber zum besagten Confit Canard. Ein Gericht das ich erst in der Dordogne kennengelernt habe.

Kurz nach meinem Umzug aus der Schweiz in meine neue Heimat wurden mein Lebenspartner und ich zum Essen eingeladen. “Wir wollen euren Einzug feiern”, so meine Nachbarin und “wir wollen euch kennenlernen.” Pünktlich um acht Uhr erschienen wir. Freudiges Händeklatschen begrüßte uns und zehn Augenpaare musterten uns neugierig. Meine Nachbarin hatte ihre Verwandtschaft eingeladen. Dass die Verwandtschaft noch viel umfangreicher war, das habe ich erst später erfahren.

Eine bunte Tischdecke mit ebenso bunten Tellern, schmückten den Tisch. Doch bevor es so richtig zur Sache ging, wurde der obligatorische Aperitif zelebriert. Pastis, ein alkholisches Getränk mit Anisgeschmack und verschiedene Häppchen. Hungrig wie ich war, griff ich herzhaft zu. Ich ahnte ja nicht, was noch alles auf mich zukommen würde.

Minutenlanges Stühle rücken und Füße scharren, bis endlich alle am Tisch sassen. Und dann wurde aufgetischt. Zuerst eine Suppe mit Einlage. Danach Paté, Wurst und Schinken, begleitet von herrlich duftenden Baguettes. Die Tischrunde langte kräftig zu. Ab und zu wurde das Klappern des Bestecks durch ein ah très bon, unterbrochenbevor man sich wieder den Köstlichkeiten widmete. Auch dem Wein wurde kräftig zugesprochen. Nachdem die Teller leergeputzt waren, wurde die Krönung aufgetragen: Im Ofen geschmorte Entenbeine. Dazu wurden gebratene Kartoffeln mit Speck, Pilzen und ganz viel Knoblauch (Confit Canard avec Pommes Sarlat). Es roch himmlisch und schmeckte ebenso. Stille legte sich über die Tischrunde. Jeder war mit sich und dem wundervollen Essen beschäftigt. Auch ich.

Als die Teller abgetragen waren, freute ich mich auf einen kleinen feinen Nachtisch, der auch bald serviert wurde. Eine Kugel Zitronensorbet  der im Champagner badete.”Damit schaffst du Platz für den Käse und die Torte”, flüsterte mir meine Tischnachbarin zu und machte sich über den vermeintlichen Nachtisch her. Entsetzt starrte ich sie an. Es gab noch mehr zu Essen! “Da musst du jetzt durch.” Sie lächelte mich aufmunternd an. Ich seufzte leise, aber das Eis mit dem Champagner schaffte Platz für weitere Köstlichkeiten.

Eine Platte mit Käse, Camembert, Nusskäse, Brie und Ziegenkäse, zusammen mit einem grünen Salat garniert mit gebratenen Entenherzen. Zum Abschluss die mächtigste Buttercremetorte die ich je gegessen hatte.

Ich glaube, das Essen schlug bestimmt mit mindestens fünftausend Kalorien zu Buche, eher mehr. Ich fühlte mich wie eine Kugel, als ich aufstand. Beim Abschied klopfte mir meine Nachbarin auf die Schulter. “Willkommen in der Dordogne.”

Wahrhaftig, so üppig hatte ich noch nie gegessen und die Tage darauf, war in meiner Küche ‘Schmalhans’ angesagt.

Heute wird das Confit Canard in Dosen, wie auf dem Bild, in Gläsern oder auch frisch, aber bereits vorgekocht, an der Fleischtheke angeboten.

Früher ließ es sich die Hausfrau nicht nehmen, ihre Enten selber einzukochen. Dazu wird die Ente zerteilt und im Entenfett, das in jedem Haushalt vorrätig ist, zusammen mit Salz und Pfeffer in einem Topf langsam im offenen Kamin über einem kleinen Feuer geschmort. Das dauert meistens mehrere Stunden. Danach wird das Entenfleisch mit dem Fett in  irdene Keramiktöpfe abgefüllt und in der kühlen Speisekammer gelagert.

Solche Einkochaktionen wurden in der Regel vor Weihnachten und vor Ostern gemacht. Im Sommer ist ein solch deftiges Menü eher nicht angesagt. Nur den Touristen wird es auch im Sommer angeboten, als Dordogne-Spezialität.

Inzwischen habe ich mich hier sehr gut eingelebt. Ich weiß, dass diese Essorgien nur zu bestimmten Feierlichkeiten, wie  Weihnachten, Ostern oder eben als Willkommensgruß für neue Zuzüger stattfinden.

 

 

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Geschichten die auf der Straße liegen …

… und die erzählt werden wollen.

Ich wohne nun schon seit einigen Jahren in der Dordogne, im Südwesten von Frankreich. Und ich liebe dieses Land und mein Dorf. Ich bin angekommen.

Zwar bin ich immer noch ‘die Ausländerin’und das werde ich auch bleiben, aber wenn ich im Dorf mein Baguette hole, im ‘Tabac’ die Zeitung, oder im Tante Emma-Laden meinen Käse, dann werde ich mit einem Küsschen und einem lockeren Spruch begrüsst und einige bedauern es, dass meine Bücher nicht in französischer Sprache verlegt werden.

Ich liebe das ‘laisser faire’, die Leichtigkeit, die in diesem Wort liegt, und nerve mich nicht mehr über das Schwätzchen an der Kasse im Supermarkt, das die Schlange der Wartenden aufhält, die Langsamkeit hat auch mich erreicht.

Auch die Logistik hat hier einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland oder in der Schweiz. Aber vielleicht bin ich schon zu sehr Französin, als dass mich fehlende Produkte im Supermarkt oder im Baumarkt aus der Bahn werfen. C’est la campagne, sagt meine Nachbarin dann mit einem Achselzucken.

Mittlerweile beherrsche ich die Sprache recht gut, doch ich werde sie nie, solange ich lebe, mit all den Feinheiten beherrschen. In diese Sprache wird man hineingeboren.

Mein neuer Roman spielt in meinem Dorf, allerdings in einer früheren Zeit. Aber die Dorfmitbewohner haben meine Figuren schon beeinflusst.

Der Apotheker. Der Fleischer. Seine Frau, die Neugierige. Der Baron vom Nachbardorf und der Dorfdoktor. Nicht zuletzt aber auch die wunderschöne Landschaft, die sich sanft wölbend um mein Dorf schmiegt. Die Weinberge, die immer wieder durch kleine Waldstücke unterbrochen werden. Das Tal, durch das sich die Isle, ein kleiner Fluss schlängelt. Das alles hat mich  inspiriert.

Die ‘Geschichten liegen auf der Straße’ man muss sie nur sehen und sie erzählen.

Leseprobe aus meinem noch nicht veröffentlichten Roman.

Im Wartezimmer sassen bereits zehn Personen und zehn Augenpaare schauten mich verwundert an. Ich murmelte ein kaum hörbares ›guten Morgen‹ und setzte mich auf einen der klapperigen Gartenstühle. Die Frau des Fleischers war die einzige, die ich kannte. Sie nickte mir zu und widmete sich dann wieder ihrer Strickarbeit. Die Stricknadeln klapperten und sie brabbelte dabei ›links-rechts-links-rechts‹ vor sich hin. Es musste ein Pullover für ihren Mann werden, die Strickarbeit hatte ein nicht unerhebliches Ausmaß. Die übrigen Wartenden schienen aus dem Nachbardorf zu kommen oder es gab in den letzten Jahren, als ich in Toulouse war etliche Neuzuzüger im Dorf. Ich kannte keinen davon.

Ich nahm mein Buch aus der Tasche und fing an zu lesen, denn bei den vielen Leuten richtete ich mich auf eine längere Wartezeit ein.

“Sind Sie krank, Fräulein Amélie?” Die Frau des Fleischers hatte ihr Strickzeug auf den Schoss gelegt und sah mich neugierig an.

Ich schüttelte den Kopf. “Nein, nein, ich möchte nur etwas mit dem Doktor besprechen.”

“Aha, kann dauern, der Doktor ist nicht hier. Er musste nochmals weg zu einem Notfall, hat er gesagt.”

“Macht nichts, ich habe Zeit.”

Was lesen Sie denn da?” Neugierig äugte sie in das Buch. “Etwas Gescheites?”

Ich schmunzelte. “Einen Roman über eine Ärztin in Afrika.”

“Also etwas Gescheites. Ja, ja, die Welt hat sich verändert. Heute lesen die Frauen gescheite Bücher. Früher hatten sie keine Zeit, früher mussten sie hart arbeiten.”

“Ärztinnen arbeiten auch hart”, entgegnete ich, “ganz besonders wenn sie in Afrika leben.”

“Hm”, brummelte sie und betrachtete ihr Strickwerk. “Für meinen Mann zum Geburtstag. Er ist ein Guter, hat mich noch nie geschlagen.”

Ich sah den Fleischer vor mir. Ein bulliger Mann mit Händen wie kleine Baggerschaufeln und einem aufgedunsenen Gesicht. “Das ist schön. Wie geht es ihrem Mann?”

“Gut, danke der Nachfrage.” Sie schaute mich lange an. “Sie sind doch jetzt eine Frau Doktor? Im Dorf reden alle über Sie.”

Ich nickte, “ja, das bin ich.” Und eine ohne Arbeit, fuhr es durch meinen Kopf.

“Ich werde dann mal weiter stricken, sonst wird der Pullover nicht fertig. Sein Geburtstag ist schon in drei Wochen”, und sie ließ die Nadeln durch die Maschen fliegen.

©Verena Dahms

 

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Mein Sauerbraten Debüt

Ich bin eine leidlich gute Köchin, und koch auch gerne. Allerdings, meine Gerichte erreichen nie diese Höhenflüge, wie die in den Sternenküchen. Wenn ich Gäste einlade, dann liebe ich es, Eintöpfe oder Braten zu kochen. Die kann ich vorbereiten und habe dann genügend Zeit, mich meinen Gästen zu widmen.

Sauerbraten, das war das Stichwort für eine Einladung mit deutschen Freunden. Den habe ich zwar noch nie zubereitet, aber so schwer kann das ja nun auch nicht sein. Fleisch kaufen, in Essig und Wasser einlegen, die Gewürze zugeben und marinieren. Mindestens zwei Tage, so die entsprechenden Kochrezepte.

Gedacht, getan. Der Besuch beim Metzger erwies sich als die erste Hürde. Sauerbraten ist nämlich in der Dordogne nicht bekannt. Ich habe ihn nach einem Fleischstück für ‘Rôti de boeuf mariné’ gefragt. Er holte ein wunderschönes Bratenstück aus der Kühlkammer und ich nickte begeistert. Ohne Fett, wunderbar rosa lag es vor mir.

Zu Hause präparierte ich den Braten nach Vorschrift und lagerte ihn zwei Tage in der Marinade. Er muss lange schmurgeln, so das Rezept. Also ließ ich ihn auf kleinstem Feuer, zusammen mit der Marinade, lange schmurgeln.

Die Gäste trudelten ein. Der Braten schmurgelte immer noch. Der Tisch war gedeckt, das Tafelsilber glänzte. Der Apéro zog sich. Es gibt ja immer viel zu erzählen, besonders wenn man sich über eine längere Zeit nicht gesehen hat. Der Braten schmurgelte weiter.

Nach der Vorspeise eilte ich in die Küche. Als ich den Deckel anhob, wähnte ich mich in einer Essigmanufaktur. Ich legte den Braten auf einen Teller und schmeckte die Sauce ab. Das Saure hielt sich hartnäckig. Vielleicht musste das ja so sein, meine Mutter hat nie Sauerbraten gekocht. Nun noch schnell das Fleisch in Tranchen schneiden! Es war eher ein Säbeln denn ein Schneiden. Schuhsohlen sind weicher.

Wir haben den Hauptgang dann übersprungen und sind direkt zum Käse und zum Dessert übergegangen.

Ich werde mich ganz sicher nochmals an einem Sauerbraten versuchen, dann aber mit dem richtigen Fleischstück und ohne Gäste.

Das nächste Mal erzähle ich euch, welche deftigen Gerichte die Franzosen lieben. Der deutsche Sauerbraten ist dagegen ein Schlankheitsmenue.

 

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Der erste Entwurf ist immer Mist

Noch ein paar Tage, dann ist der erste Monat in diesem Jahr vorbei. Zum Glück. Für mich ist der Januar ein Monat, auf den ich gut verzichten könnte. Es dauert, bis das Tageslicht anbricht (in der Dordogne nicht vor acht Uhr) und es wird um sechs Uhr schon wieder Nacht.

Ich hatte trotzdem keine Langeweile. In meinem letzten Blog habe ich euch  erzählt, dass ich auf Geheiss von meiner Lektorin mein Manuskript vier lange Wochen liegen lassen muss. Und folgsam wie ich bin, habe ich mich daran gehalten.

Nach den Feiertagen durfte ich  endlich loslegen und wieder in meine Geschichte eintauchen. Wohingegen ‘Eintauchen’ nicht ganz richtig ist. ‘Lies deine erste Version als Leserin und nicht als Autorin’, so eine Aussage in einem der gescheiten Schreibratgebern. Oder ‘Kill your Darlings’. Oh ja, ich habe gekilled, ich fühlte mich manchmal wie eine Mörderin. ‘Auf Logikfehler achten’, ‘starke Verben benutzen’ ‘zu viele Adjektive stören den Lesefluss’. Das sind nur einige von vielen Ratschlägen, auf die der/die Autorin achten muss. Die will ich euch ersparen, es reicht wenn ich sie wissen muss.

Ich habe also meinen Text gekürzt, ergänzt, Sätze umgestellt, Dialoge spannender geschrieben, Liebesszenen umgeschrieben. Ja, es gibt welche, sonst wäre es kein Liebesroman.

Ich mag meine Protagonistin. Sie ist gescheit, macht zwar ein paar Fehler und fällt einmal ganz heftig auf die Nase. Aber im Großen und Ganzen ist sie eine patente Frau. Und dann ihr Beau, ein Charmeur und  Wandervogel, so wie Charmeure halt sind. Keine Angst, es ist kein Millionärs-Roman.  Es gibt auch noch ein paar Nebenfiguren, die ich richtig gerne mag. Zum Beispiel die Freundin von meiner Protagonistin, oder die Köchin, auch der Paul, stämmig, ruhig und besonnen.

Seid ihr neugierig geworden?  Ihr müsst euch noch etwas gedulden. Zwei weitere Überarbeitungsrunden stehen an, bevor das Manuskript an meine Lektorin geht. Danach kommt meine Cover-Designerin zum Zug, und ab dann ist die Veröffentlichung absehbar.

Ich bin selber auch ganz ‘hibbelig’, aber wie heißt es doch: Gut Ding will Weile haben.

Zum Schluss würde mich es mich interessieren: Wer von euch mag Liebesromane? Schreibt mir doch einfach.

Die Möglichkeit, dass Träume wahr werden können ..

… machen das Leben erst interessant.

Die Zeit der Rückblicke ist angebrochen. Es wird über Vergangenes sinniert. War es ein gutes Jahr gewesen?  Auch ich habe heute morgen kurz darüber nachgedacht und mir überlegt, ob ich einen Rückblick über mein vergangenes Jahr schreiben soll, habe den Gedanken dann aber schnell wieder verworfen. Es ist ja alles auf meinem Blog nachzulesen. Ich schreibe lieber einen Ausblick.

Etwas was ich jetzt bereits weiß: Im nächsten Jahr wird es einen neuen Roman von mir geben. Das Manuskript ist fertig. Vier Wochen muss ich nun warten, bis ich überarbeiten darf, so der Befehl von meiner Lektorin. Und weil ich gehorsam bin, habe ich das Manuskript meinem Erstleser gegeben. Er liest und liest und liest und schweigt. Manchmal umrunde ich ihn wie eine hungrige Katze.  Wie kommt meine Geschichte an? Stimmt die Dramaturgie? Gibt es Plotlöcher. Haben die Figuren die notwendige Tiefe? Bald werde ich es wissen. Dann nämlich, wenn er das Manuskript fertig gelesen hat.

Etwas kann ich jetzt schon verraten, es ist ein Liebesroman der in meinem Dorf spielt. Allerdings zu einer anderen Zeit.

Weiter ist eine neue Geschichte geplant. Eine Geschichte die schon lange in meinem Kopf herumspukt. Bis jetzt habe ich sie zurückgedrängt, denn ich kann nicht an zwei Projekten gleichzeitig arbeiten. Doch nun ist die Zeit dazu gekommen. Die Kladde ist bereit und wird mit Gedankensplittern und Figuren gefüllt. Ein Baum in Berlin hat mich dazu inspiriert. Ich freue mich darauf, denn es werden ganz sicher einige Recherchen vor Ort dazu notwendig sein. Das heißt, ich werde mich öfters in Berlin rumtreiben.

Was wird noch kommen? Ein Besuch am Atlantik. Paris steht auch schon auf dem Plan. Die Buchmesse in Leipzig, Frankfurt und Berlin. Vielleicht nicht alle drei, die BuchBerlin aber ganz sicher.

Pläne, Pläne, Pläne. Ja, warum nicht. Pläne machen neugierig, treiben an. Wenn nicht alle umgesetzt werden können, ‘so what’. Das Jahr 2018 verspricht spannend zu werden.

Die Möglichkeit, dass Träume wahr werden können, macht das Leben erst interessant (Paul Coelho)

Bildquelle: Madelene Hambrick

 

 

 

 

Lovelybooks – die große Unbekannte

Für mich war die Leseplattform bis vor kurzem noch ‘die große Unbekannte’. Natürlich habe ich schon öfters davon gehört oder gelesen. Trotzdem!

“Du solltest dein Roman bei Lovelybooks für eine Leserund anmelden”, so meine Lektorin. “Dort wirst du viele Leser finden, kannst mit ihnen zusammen über dein Buch diskutieren.”

Das leuchtete mir ein.  Besonders da ich in Frankreich mit meinen deutschen Büchern keine Lesungen machen kann.

Die erste Bekanntschaft mit dieser Plattform hat mich erst einmal erschlagen. Bücher über Bücher. Ich klickte mich durch, las die Kommentare, klickte weiter und las wieder. Ich glaube gefühlte vier Stunden habe ich mit Klicken und Lesen verbracht. Mein Profil war danach recht schnell angelegt.

Nun hieß es Leute einladen, und zwar so, dass sie neugierig auf mein Buch wurden. Dank meiner Lektorin, die mir mit Rat und Tat zur Seite stand, war auch diese Hürde nicht allzu hoch. Und dann war Warten angesagt. Werde ich Leser finden, oder in meinem Fall Leserinnen? Wieviele? Lovelybooks war zehn Tage – so lange dauert in der Regel die Anmeldefrist – wie ein Adventskalender. Jeden Abend öffnete ich ein Türchen, neugierig auf das was mich erwartete.

Ich hatte Glück. Auch als Nobody im Fischteich der Bücher, fanden sich  einige Interessenten, die mein Buch lesen und diskutieren wollten. Die Kommentare und Fragen der Leserinnen waren sehr hilfreich, als Belohnung  gab es ehrliche Rezensionen.

Fazit: Obwohl der Ansturm der Interessenten nicht so groß war und sich drei Leser kurzfristig abgemeldet haben, nachdem sie kein Printbuch gewannen, werde ich auch mit meinen nächsten Roman wieder eine Leserunde durchführen. Und ich werde ganz sicher auch selber einmal als Leserin daran teilnehmen.

Ich wünsche Euch und Euren Familien ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein erfolgreiches Jahr 2018